Verfallen meine Punkte, wenn ich die Kreditkarte kündige?
Welche Bestände an ein Konto gebunden sind, welche im Programm bleiben, welche Fristen nach einer Kündigung gelten und in welcher Reihenfolge ein Bestand gesichert wird.
Auf einen Blick#
| Bestand | Liegt bei | Folge der Kündigung |
|---|---|---|
| Bankpunkte | der Bank, am Konto | verfallen häufig sofort |
| Meilen im Vielfliegerprogramm | dem Programm | bleiben unberührt |
| Hotelpunkte im Programm | dem Programm | bleiben unberührt |
| Cashback, noch nicht ausgezahlt | der Bank | Auszahlung oder Verfall |
| Freinacht aus der Karte | der Kette oder der Bank | endet meist mit dem Produkt |
| Punkte aus dem laufenden Monat | noch nicht gebucht | häufig verloren |
Die entscheidende Frage#
Vor jeder Kündigung steht eine einzige Frage: Wo liegt der Bestand? Die Antwort entscheidet, ob etwas zu retten ist.
Bankpunkte liegen bei der Bank und hängen an einem Konto. Fällt das Konto weg, fällt in vielen Programmen auch der Bestand weg. Meilen und Hotelpunkte liegen dagegen im jeweiligen Programm, sie sind bereits übertragen und haben mit der Karte nichts mehr zu tun. Was im Programm liegt, ist also sicher, und was bei der Bank liegt, muss vorher bewegt werden.
Ein Punktestand sieht im Kundenkonto aus wie ein Guthaben, und viele behandeln ihn auch so. Rechtlich ist er ein Anspruch aus einem Programm mit Bedingungen, und zu diesen Bedingungen gehört in fast allen Fällen, dass der Anspruch mit dem Konto endet. Kleinere Bestände und zügigere Einlösungen senken den möglichen Verlust deshalb deutlich.
Am häufigsten fällt dieser Unterschied nach dem ersten Kartenjahr auf. Der Bonus liegt im Konto, die zweite Jahresgebühr steht an, und die naheliegende Reaktion ist eine schnelle Kündigung. In genau diesem Moment entsteht der größte Teil der Verluste: Der Bestand ist groß, die Entscheidung fällt schnell, und die Reihenfolge stimmt nicht.
Was an ein Konto gebunden ist#
Drei Arten von Beständen kommen in der Praxis vor: Bankpunkte, Programmwährungen und Guthaben in Geld. Nur die erste ist durch eine Kündigung wirklich bedroht.
Bankpunkte#
Bankpunkte entstehen durch Umsätze und Boni und bleiben, solange das Konto besteht. Mit der Schließung endet die Grundlage, und in den meisten Bedingungen verfällt der Bestand.
Manche Anbieter räumen eine kurze Frist ein, andere schließen den Zugriff mit der Kündigung. Eine allgemeine Regel gibt es nicht, und die Bedingungen sind hier ungewöhnlich knapp formuliert. Wie diese Währung überhaupt funktioniert und warum sie mehrere Ausgänge hat, beschreibt wie übertragbare Punkte funktionieren.
Der Transfer in ein Programm ist damit zugleich eine Sicherung. Was einmal dort liegt, ist von der Karte unabhängig, wie wie ein Punktetransfer abläuft beschreibt.
Gemeinsame Punktekonten#
Viele Anbieter führen die Punkte mehrerer Karten in einem gemeinsamen Konto. Dann überlebt der Bestand die Kündigung einer einzelnen Karte, solange danach noch eine Karte mit Zugang zu diesem Konto besteht. Mit der letzten davon geht alles verloren.
Haushalte mit mehreren Karten sehen deshalb in die Kontostruktur, bevor irgendetwas gekündigt wird. Häufig trägt die älteste Karte das Punktekonto, und dann wird gerade sie nicht gekündigt.
Manche Anbieter führen das Punktekonto separat und lassen es nach der letzten Karte für eine Weile bestehen. Wo es diese Regel gibt, steht sie in den Bedingungen, und sie ist selten. Zusatzkarten auf demselben Konto teilen den Bestand, und eine Kündigung der Zusatzkarte allein berührt ihn nicht.
Cashback und Guthaben#
Ein ausgezahltes Guthaben ist Geld und von einer Kündigung nicht betroffen. Ein angesammeltes, noch nicht ausgezahltes Guthaben ist ein Anspruch gegen die Bank. Bei der Schließung wird es je nach Anbieter ausgezahlt oder verfällt, und sicher ist es nur, wenn es vorher ausgezahlt wurde.
Beim regelmäßigen Sammeln von Cashback hilft der kleinstmögliche Schwellenwert für die Auszahlung. Dann liegt zu keinem Zeitpunkt viel offen.
Auch Freinächte und Gutscheine aus der Karte gehören hierher. Sie enden meist mit dem Produkt und lassen sich vorher nur einlösen, nicht sichern, auch nicht durch einen Transfer.
Bei größeren Beträgen lohnt zusätzlich der Blick auf den Verfall im Zielprogramm. Ein geretteter Bestand, der dort nach einem Jahr ausläuft, ist nur aufgeschoben, wie wann Meilen verfallen beschreibt.
Bei Karten mit Partnerprogramm ist die Lage entspannter. Dort werden die Punkte laufend in das Programm gebucht, und ein Bestand bei der Bank entsteht gar nicht erst. Bei Karten, die Punkte und Cashback zugleich sammeln, folgen beide Bestände unterschiedlichen Regeln und gehören einzeln geprüft.
Rechenbeispiel: zwei Bestände, eine Kündigung#
Angenommen, zwei Personen kündigen dieselbe Karte. Die eine hat vorher übertragen, die andere nicht.
| Vorher übertragen | Nicht übertragen | |
|---|---|---|
| Bestand nach der Kündigung | im Zielprogramm vorhanden | in den meisten Fällen verfallen |
| Aufwand vorher | ein Transfer, wenige Tage | keiner |
| Risiko | Transfer bindet an ein Programm | Totalverlust |
| Spätere Einlösung | möglich | nicht möglich |
| Rückholung | nicht nötig | nur gegen Gebühr, wenn überhaupt |
Der gesamte Unterschied entsteht in den wenigen Tagen vor der Kündigung und ist danach nicht mehr zu beeinflussen. Ein halbes Jahr später hat die erste Person ihren Bestand im Zielprogramm und kann damit eine Reise buchen, sofern sie dort den Verfall im Blick behält. Die zweite Person hat eine Bestätigungsmail über die Kündigung und sonst nichts, und eine Nachfrage beim Anbieter bringt in den meisten Fällen kein Ergebnis mehr.
Die Rettung hat einen Preis. Ein Transfer bindet den Bestand an ein Programm, und diese Bindung ist endgültig. Die Rückholung ohne Transfer ist dagegen der Ausnahmefall: Manche Anbieter stellen einen verfallenen Bestand gegen Gebühr wieder her, allerdings nur kurz nach der Schließung und ohne Anspruch.
Für eilige Fälle gibt es eine Abkürzung. Geht es nur darum, die Jahresgebühr zu vermeiden, entfällt mit einem Produktwechsel die gesamte Frage nach dem Bestand.
Ein Beispiel ohne Beträge macht die Reihenfolge greifbar. Transfer am Montag, Gutschrift am Mittwoch, Kündigung am Donnerstag: Alles ist richtig gelaufen, und der Vorgang hat drei Tage gekostet. Mit der Kündigung am Montag und dem Transfer am Dienstag ist der Bestand dagegen schon weg. Der Unterschied liegt in der Reihenfolge und nicht im Aufwand.
Die richtige Reihenfolge#
Vier Schritte sichern den Bestand, und die Reihenfolge ist nicht beliebig.
Zuerst wird geprüft, wo der Bestand liegt und ob er an das Konto gebunden ist, und diese Frage beantwortet ein Blick in die Bedingungen. Danach wird eingelöst oder übertragen. Steht eine Buchung an, wird zuerst gebucht und nur die dafür nötige Menge übertragen.
Im dritten Schritt wird die Gutschrift im Zielprogramm geprüft. Erst wenn der Bestand dort sichtbar ist, ist er gesichert, und genau dieser Schritt wird am häufigsten übersprungen. Eine Kündigung am selben Tag wie der Transfer ist riskant, weil die Gutschrift im Zielprogramm noch aussteht.
Zuletzt wird gekündigt oder gewechselt. In dieser Reihenfolge geht nichts verloren, und die gesamte Vorbereitung dauert wenige Tage.
Mehrere Bestände werden von oben nach unten abgearbeitet, zuerst der größte, dann die kleineren, denn die Zeit vor einer Kündigung ist begrenzt.
Wann sich die Rettung nicht lohnt#
In diesen Fällen lohnt sich der Aufwand nicht:
- Bei sehr kleinen Beständen. Ein Rest, der für keine Einlösung reicht, ist den Transfer nicht wert.
- Ohne passendes Zielprogramm. Ein Transfer in ein Programm ohne eigene Strecken tauscht Verfall gegen Bindung.
- Wenn ohnehin gewechselt wird. Beim Produktwechsel bleibt das Konto bestehen, und der Bestand bleibt mit ihm.
- Wenn die Einlösung schlecht wäre. Eine erzwungene Einlösung unter dem eigenen Maßstab ist ein Verlust mit anderem Namen.
Steht eine Gebühr unmittelbar bevor und drängt die Zeit, kommt vor der Kündigung die Frage nach einem Wechsel, wie Karte kündigen oder downgraden beschreibt.
Die Einlösung im Reiseportal der Bank ist meist bis zum letzten Tag möglich. Sie liefert einen festen, niedrigen Wert je Punkt, der immer noch besser ist als ein Verfall, aber schlechter als ein Transfer in ein passendes Programm, wie was Punkte wirklich wert sind zeigt.
Wenn die Bank kündigt#
Eine Schließung durch den Anbieter läuft nach denselben Regeln, nur ohne Vorlauf. Der Zugriff endet häufig mit der Mitteilung.
Eine solche Schließung kommt selten ohne Anlass. Häufige Gründe sind lange Inaktivität, auffällige Umsätze oder eine geänderte Risikobewertung.
Vorbeugen lässt sich nur begrenzt. Regelmäßig übertragen oder einlösen heißt, nie mehr im Konto zu halten, als man bereit ist zu verlieren, und für große Bestände ist das die einzige wirksame Vorsichtsmaßnahme. Ein Guthaben bei einem Unternehmen ist kein Vermögen im eigenen Besitz. Größere Bestände verteilt man deshalb über mehrere Programme oder löst regelmäßig ein, und beides verringert den Schaden, wenn ein Konto unerwartet endet.
Wird ein Kauf nach der Kündigung erstattet, werden die dafür gutgeschriebenen Punkte zurückgebucht. Ein bereits geschlossenes Konto kann dadurch in ein Minus laufen, das der Anbieter dann anders ausgleicht.
Was mit laufenden Umsätzen geschieht#
Umsätze aus dem laufenden Abrechnungszeitraum sind noch nicht gutgeschrieben. Sie erscheinen erst mit der nächsten Abrechnung.
Bei sofortiger Kündigung gehen sie in vielen Fällen verloren. Eine abgewartete Abrechnung sichert sie und verschiebt die Kündigung um wenige Wochen. Vor einer Gebührenbelastung ist dieser Aufschub allerdings zu prüfen, denn manchmal ist die Gebühr höher als der Wert der offenen Punkte, und dann wird sofort gekündigt.
Eine Kündigung wird deshalb nie spontan ausgesprochen, solange Punkte im Konto liegen. Zwischen Entscheidung und Anruf liegen mindestens die Tage, die ein Transfer braucht.
Offene Reklamationen gehören vorher abgeschlossen. Eine Gutschrift aus einem offenen Fall kann nach der Schließung nirgendwo mehr landen, und der Anspruch darauf hilft dann wenig.
Für Haushalte mit mehreren Konten lohnt eine kurze Übersicht: welche Karte welches Punktekonto trägt und welcher Bestand an welchem Konto hängt. Zwei Spalten genügen, und sie beantworten die Frage vor jeder künftigen Kündigung in Sekunden. Ein Blick in die Bedingungen, ein Transfer und eine Bestätigung, und der Bestand ist aus der Gefahrenzone. Drei Tage sind der Preis dafür, einen Bestand zu behalten, der über Monate gewachsen ist.
Die Liste vor dem Anruf#
Bevor die Kündigung ausgesprochen wird, lohnt eine kurze Liste. Sie dauert ein paar Minuten und deckt jeden Bestand ab, der an der Karte hängen kann.
- Wo liegt jeder Bestand? Bei der Bank, im Programm oder als Guthaben in Geld.
- Hängt er an dieser Karte oder an einem gemeinsamen Punktekonto? Und bleibt nach der Kündigung noch eine Karte mit Zugang zu diesem Konto bestehen?
- Ist Cashback offen? Dann wird es vorher ausgezahlt.
- Gibt es Freinächte oder Gutscheine aus der Karte? Sie lassen sich nur einlösen, solange das Produkt besteht.
- Laufen Umsätze aus dem aktuellen Abrechnungszeitraum? Ihre Punkte erscheinen erst mit der nächsten Abrechnung.
- Sind Reklamationen oder Erstattungen offen? Eine Gutschrift braucht ein Konto, auf dem sie landen kann.
- Ist ein Produktwechsel möglich? Dann bleibt das Konto bestehen, und die übrigen Fragen entfallen.
Erst wenn jede Zeile beantwortet ist, folgt der Anruf.
Die häufigsten Fehler#
- Zuerst kündigen, dann prüfen. Gesichert wird vorher, gekündigt danach, und nicht umgekehrt.
- Auf eine Kulanzfrist vertrauen. Zugesichert ist keine Frist, auch wenn manche Anbieter eine gewähren.
- Den Transfer nicht bestätigen lassen. Erst die sichtbare Gutschrift im Zielprogramm macht den Bestand sicher.
- Das gemeinsame Punktekonto übersehen. Bleibt keine Karte mit Zugang zum Konto bestehen, ist der Bestand weg.
- Cashback stehen lassen. Offenes Guthaben lässt man vor der Kündigung auszahlen.
- Unter Druck schlecht einlösen. Ein Produktwechsel hält das Konto am Leben und den Bestand gleich mit.
Verwandte Themen#
Häufige Fragen
Verfallen meine Punkte, wenn ich die Karte kündige?
Wie viel Zeit bleibt nach der Kündigung?
Was ist mit einem zweiten Konto beim selben Anbieter?
Kann ich Punkte vor der Kündigung retten?
Wie lange dauert eine Übertragung?
Verfällt auch ein Guthaben aus Cashback?
Was passiert bei einer Kündigung durch die Bank?
Hilft ein Produktwechsel?
Kann ich Punkte nach der Kündigung zurückholen?
Zählen offene Reklamationen?
Was ist mit Punkten aus dem laufenden Monat?
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