Was ist eine Meile wert?
Der Wert einer Meile ist kein Kurs, sondern das Ergebnis einer konkreten Einlösung. Die Rechnung, ihre drei Größen und die Fälle, in denen ein hoher Wert trotzdem eine schlechte Entscheidung ist.
Auf einen Blick#
| Größe | Was hineingehört | Häufigster Fehler |
|---|---|---|
| Vergleichspreis | der Preis, den du ohne Punkte wirklich bezahlt hättest, inklusive Steuern | der teuerste Tarif, den die Website anzeigt |
| Zuzahlung | alles, was trotz Punkteeinlösung abgebucht wird | wird ganz vergessen |
| Eingesetzte Punkte | die Zahl, die dein Konto verlässt | die Zahl nach einem Bonus |
| Ergebnis | Wert je Punkt für genau diese Buchung | wird als Programmkurs weiterverwendet |
| Maßstab | dein eigener Schwellenwert | eine fremde Bewertungsliste |
Was Wert bei einem Punkt überhaupt bedeutet#
Ein Punkt hat keinen Preis, er hat ein Ergebnis. Solange er auf dem Konto liegt, ist er eine Forderung gegen ein Programm, das die Bedingungen der Einlösung selbst festlegt und sie jederzeit ändern kann. Erst die Buchung macht aus dieser Forderung eine Ersparnis, und erst dann lässt sich sagen, was der Punkt gebracht hat.
Die Zahl schaut also zurück. Der Wert, den du ausrechnest, gehört zu der Einlösung, aus der er stammt. Eine zweite Buchung im selben Programm, auf derselben Strecke, zwei Monate später, kann einen ganz anderen Wert ergeben, ohne dass sich am Programm etwas geändert hat.
Meist wird dieser Wert in Cent pro Punkt angegeben. Die Schreibweise sieht aus wie ein Wechselkurs und wird oft auch so gelesen, als ließen sich Punkte jederzeit zu diesem Satz in Geld tauschen. Gemeint ist das Gegenteil eines Kurses: das Ergebnis einer einzelnen, bereits gebuchten Einlösung.
Die Rechnung und ihre drei Größen#
Die Formel ist eine Division, und ihre Schwierigkeit liegt vollständig in den Zahlen, die man hineinschreibt:
Wert je Punkt = (Vergleichspreis minus Zuzahlung) geteilt durch eingesetzte Punkte
Mal 100 genommen, steht das Ergebnis in Cent da. Zwei der drei Größen stehen auf der Buchungsbestätigung, die dritte musst du schätzen. Harmlos sieht keine davon aus, sobald man merkt, dass sich jede einzelne so wählen lässt, dass am Ende die gewünschte Zahl herauskommt.
Der Vergleichspreis ist der Preis, den du bezahlt hättest#
Der Vergleichspreis ist die Zahl, an der die ganze Rechnung hängt, und die einzige, bei der Selbstbetrug etwas kostet. Richtig ist der Preis, den du tatsächlich ausgegeben hättest, wenn es die Punkte nicht gäbe: dieselbe Strecke, dieselbe Kabine, derselbe Reisezeitraum, dieselben Stornobedingungen, inklusive Steuern und Gebühren.
Falsch ist der höchste Tarif, den eine Website anzeigt. Wer einen Flug in der Business Class für zweitausendfünfhundert Einheiten ansetzt, obwohl er ohne Punkte in der Economy gesessen hätte, rechnet sich einen Wert aus, dem keine Ersparnis gegenübersteht. Die Rechnung ist formal korrekt und praktisch wertlos, weil die Alternative nie zur Debatte stand.
Die Frage an dich selbst lautet also: Welchen Betrag hätte ich für diese Reise überwiesen? Die Antwort ist manchmal unbequem niedrig. Gespart wird trotzdem immer nur Geld, das man sonst ausgegeben hätte.
Die Zuzahlung ist alles, was trotzdem abgebucht wird#
Ein Prämienticket ist selten kostenlos. Steuern, Flughafengebühren, in manchen Programmen ein Kerosinzuschlag, bei kurzfristigen Buchungen eine Kurzfristgebühr: Alles, was zusätzlich zu den Punkten vom Konto geht, gehört in diese Größe, und zwar vollständig.
Die Zuzahlung ist Geld, das du trotz Einlösung ausgibst, und um genau diesen Betrag schrumpft das, was die Punkte dir erspart haben. Lässt man sie weg, misst die Rechnung den Wert der Buchung insgesamt. Mit dem Wert der Punkte hat diese Zahl wenig zu tun.
Bei Programmen mit hohen Zuschlägen entscheidet diese Größe allein über das Ergebnis. Dieselbe Prämie kann bei einer Airline ohne Zuschläge das Doppelte wert sein wie bei einer Airline, die Zuschläge erhebt, obwohl beide dieselbe Punktezahl verlangen.
Der Teiler sind die Punkte, die dein Konto verlassen#
Geteilt wird durch die Punkte, die du wirklich abgibst. Bei einer Einlösung direkt im Programm ist das der Prämienpreis. Bei einer Einlösung über eine Bankwährung ist es die Zahl, die von deinem Bankkonto abgeht, und nicht die Zahl, die nach einem Transferbonus beim Programm ankommt.
Ein Bonus erhöht die gutgeschriebenen Punkte, kostet dich aber nur die transferierten. Wer mit der höheren Zahl teilt, rechnet den Bonus aus dem Ergebnis heraus, den er gerade bekommen hat, und bestraft sich damit für den besseren Deal.
Ebenfalls nicht in den Teiler gehören Punkte, die du noch besitzt. Der Kontostand spielt in dieser Rechnung keine Rolle, nur der Einsatz. Wie die Transferwege dabei funktionieren und warum sie meist nicht umkehrbar sind, steht in Wie ein Punktetransfer funktioniert.
Rechenbeispiel: zwei Einlösungen, ein Maßstab#
Gerechnet wird mit ausgedachten Werten, nicht mit gemessenen Marktpreisen. Ein Programm verlangt für einen Langstreckenflug in der Economy 30.000 Punkte und 120 EUR Zuzahlung, bar kostet derselbe Flug 480 EUR. Für die Business Class auf derselben Strecke will es 90.000 Punkte und 260 EUR Zuzahlung, bar kostet dieser Platz 2.400 EUR.
| Economy | Business Class | |
|---|---|---|
| Vergleichspreis (angenommen) | 480 EUR | 2.400 EUR |
| Zuzahlung (angenommen) | 120 EUR | 260 EUR |
| Ersparnis | 360 EUR | 2.140 EUR |
| Eingesetzte Punkte | 30.000 | 90.000 |
| Wert je Punkt | 1,20 Cent | 2,38 Cent |
Die Business-Einlösung gewinnt diesen Vergleich deutlich, und genau hier beginnt der Denkfehler, den die Rechnung nicht von selbst abfängt. Die Zahl 2,38 unterstellt, dass du 2.400 EUR für diesen Flug bezahlt hättest. Wer das nicht getan hätte, hat keine 2.140 EUR gespart. Er hat 140 EUR mehr ausgegeben als bei der Economy-Einlösung und dafür einen angenehmeren Flug bekommen.
Vergleichbar werden die beiden Einlösungen erst, wenn beide Zeilen denselben Vergleichspreis verwenden, nämlich den, den du wirklich bezahlt hättest. Setzt man in beiden Fällen 480 EUR an, dreht sich das Ergebnis. Die Economy-Einlösung spart weiter 360 EUR für 30.000 Punkte. Die Business-Einlösung spart nur noch 220 EUR, nämlich 480 minus 260, und verbraucht dafür 90.000 Punkte, also dreimal so viele. Je Punkt bleiben davon rund 0,24 Cent übrig, ein Fünftel dessen, was die Economy-Buchung bringt.
Beide Lesarten sind richtig, und sie beantworten verschiedene Fragen. Die erste sagt, wie viel Gegenwert das Programm hergibt. Die zweite sagt, wie viel Geld in deinem Konto bleibt. Für die Entscheidung zählt die zweite.
Warum fremde Bewertungslisten nicht deine Zahl sind#
Fast jede große Publikation veröffentlicht Punktewerte je Programm. Diese Listen sind Mittelwerte über Einlösungen, die jemand anders für typisch hält, oft gewichtet nach Premiumkabinen, weil dort die höchsten Werte entstehen. Deine Reisegewohnheiten kommen in dieser Gewichtung nicht vor.
Dazu kommt ein Interessenkonflikt, der selten dabeisteht: Ein hoher veröffentlichter Wert lässt jeden Willkommensbonus größer aussehen, und Willkommensboni sind das Produkt, an dem die Publikation verdient. Die Zahl ist deshalb nicht falsch, aber sie ist nicht neutral gewählt.
Nützlich sind fremde Werte trotzdem, allerdings als Bandbreite statt als Kurs. Liefert ein Programm üblicherweise zwischen einem und zwei Cent je Punkt, ist eine Einlösung weit unterhalb dieser Spanne sofort als schlechtes Geschäft zu erkennen. Für die Entscheidung zwischen zwei konkreten Buchungen taugt nur die eigene Rechnung.
Dein Schwellenwert, die einzige Zahl, die du wirklich brauchst#
Neben dem Wert einer Einlösung gibt es eine zweite Zahl, und sie ist die praktischere: der Kurs, zu dem du deine Punkte ohne jeden Aufwand loswirst. Viele Programme und Banken nehmen Punkte gegen eine Gutschrift auf die Abrechnung oder gegen einen Reisegutschein zurück, zu einem festen, meist unattraktiven Kurs.
Der Rücknahmekurs ist dein Schwellenwert. Jede Einlösung, die darunter liegt, ist schlechter als der bequemste verfügbare Weg. Liegt sie genau darauf, hast du dir nur Arbeit gemacht, ohne einen Cent mehr herauszuholen. Jede Einlösung darüber verdient den Aufwand. Damit verschwindet die Frage, ob ein Wert absolut betrachtet gut ist, und es bleibt eine Ja-Nein-Entscheidung, die sich in einer Minute treffen lässt.
Der Schwellenwert erklärt auch, warum ein Programm mit dynamischen Prämienpreisen schwieriger zu bewerten ist als eine feste Prämientabelle: Wenn der Prämienpreis dem Barpreis folgt, bewegt sich der Wert je Punkt kaum noch, und die Entscheidung zwischen Punkten und Bargeld wird zur Formsache. Wie diese Abwägung im Einzelfall aussieht, steht in Punkte einlösen oder bar zahlen.
Wann sich die Rechnung nicht lohnt#
Die Wertrechnung ist überflüssig, und zwar öfter, als man beim Sammeln denkt:
- Kleine Punktemengen. Bei wenigen tausend Punkten geht es um Beträge, für die sich keine halbe Stunde Recherche lohnt. Die bequemste Einlösung ist hier die richtige, auch wenn sie auf dem Papier schwach aussieht.
- Kein flexibles Reiseziel und kein flexibles Datum. Wer genau einen Termin und genau eine Strecke braucht, hat meist gar keine Auswahl zwischen Einlösungen. Dann entscheidet die Verfügbarkeit, nicht der Wert je Punkt.
- Punkte, die bald verfallen. Vor einem Meilenverfall ist jede Einlösung besser als keine. Ein rechnerisch schwacher Wert schlägt einen Verfall auf null.
- Ein Kartensaldo, der Zinsen kostet. Zinsen auf die Kartenabrechnung fressen mehr, als die beste Einlösung einbringt. Diese Rechnung schlägt jede Punktebewertung deutlich.
- Sammeln, das selbst Geld kostet. Gehen Jahresgebühren oder Ausgaben, die du ohne Bonusjagd nicht getätigt hättest, aufs Konto des Sammelns, dann ist der Punktewert die falsche Frage. Wann lohnt sich das Meilen und Punkte sammeln nicht? behandelt diesen Fall in voller Länge.
Was den Wert nach der Buchung noch verschiebt#
Der ausgerechnete Wert ist eine Momentaufnahme des Buchungstags, und drei Ereignisse können ihn danach noch verändern. Nachrechnen muss man nur, wenn eines davon eintritt.
Der Barpreis fällt. Sinkt der Preis für denselben Flug nach deiner Prämienbuchung, sinkt rückwirkend auch die Ersparnis, die deine Punkte erzeugt haben. Für die bereits getroffene Entscheidung ändert das nichts, für die nächste schon: Wer regelmäßig zu früh einlöst, zahlt einen Aufschlag in Punkten für Planungssicherheit.
Die Buchung wird storniert. Viele Programme erstatten Punkte gegen eine Gebühr, und diese Gebühr ist der Preis der Option, es sich anders zu überlegen. Prämientickets sind in dieser Hinsicht oft großzügiger als Bartarife, was ein Vorteil ist, der in keiner Wertrechnung auftaucht, weil er nicht im Preis steht.
Das Programm wertet ab. Eine Erhöhung der Prämienpreise senkt den Wert aller Punkte, die noch auf dem Konto liegen, und zwar sofort und ohne Ankündigung. Der Wert einer bereits ausgestellten Prämie bleibt davon unberührt. Ein hoher Kontostand ist deshalb ein offenes Risiko und keine Ersparnis.
Punkte sind ein verderbliches Gut. Auf den perfekten Wert zu warten, kostet Zeit, und bezahlt wird sie mit Abwertungen, die niemand kommen sieht.
Die häufigsten Fehler#
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Den Wunschpreis als Vergleichspreis ansetzen. Schreib vor der Suche auf, was du ohne Punkte ausgegeben hättest, und rechne hinterher mit genau dieser Zahl, auch wenn sie niedrig ist.
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Die Zuzahlung vergessen. Jeder Betrag, der trotz Einlösung abgebucht wird, kommt vom Vergleichspreis runter, die kleinen Gebühren eingeschlossen.
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Mit dem Kontostand statt mit dem Einsatz teilen. In den Teiler gehört nur, was dieses eine Mal abgeht. Der Rest des Kontos hat mit der Buchung nichts zu tun.
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Einen fremden Programmwert als eigenen Kurs übernehmen. Fremde Werte taugen als Bandbreite. Die eigene Buchung rechnest du selbst.
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Den hohen Wert mit der guten Entscheidung verwechseln. Vor der Freude über eine hohe Zahl steht die Frage, ob der unterstellte Barpreis jemals bezahlt worden wäre.
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Den Wert einer Einlösung als Programmeigenschaft behandeln. Ein Programm hat keinen Wert, es hat eine Bandbreite, und Abwertungen verschieben diese Bandbreite ohne Vorwarnung.
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Häufige Fragen
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Wie berücksichtige ich einen Transferbonus in der Rechnung?
Was mache ich mit Punkten, deren Wert immer unter meinem Schwellenwert liegt?
Rechne ich mit dem Preis inklusive oder ohne Steuern?
Muss ich das für jede Buchung neu machen?
Welche Flüge stecken wirklich in Ihren Ausgaben?
Im freien Strategiegespräch rechnen wir Ihre Ausgaben auf Ihre tatsächlichen Strecken und Reisezeiten herunter. Erst einmal die Zahl sehen? Der Rechner zeigt sie in etwa 30 Sekunden.
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Das klären wir im Gespräch
- Welche Airline-Programme passen zu unseren Strecken?
- Wie viele Flüge sind bei unseren Ausgaben realistisch?
- Was kosten Steuern und Gebühren bei Prämienflügen?

