Soll ich Meilen einlösen oder lieber bar bezahlen?
Wie sich die Entscheidung in zwei Zahlen fassen lässt, warum der Vergleichspreis der eigene und nicht der beworbene ist, welche Rolle Flexibilität spielt und wann Barzahlung die bessere Wahl bleibt.
Auf einen Blick#
| Faktor | Spricht für Punkte | Spricht für Bargeld |
|---|---|---|
| Hoher Barpreis | ja | nein |
| Günstiger Barpreis | nein | ja |
| Hohe Zuzahlung | nein | ja |
| Statusziel in diesem Jahr | nein | ja |
| Flexibilität bei Änderungen | häufig ja | nur bei teuren Tarifen |
| Knappe Prämienverfügbarkeit | nein | ja |
| Reise findet sonst nicht statt | ja, aber ohne Ersparnis | nein |
Die Entscheidung in zwei Zahlen#
Jede Einlösung lässt sich auf zwei Zahlen zusammenziehen. Die erste ist der Preis, den du ohne Punkte tatsächlich bezahlt hättest. Die zweite ist der Preis derselben Buchung in Punkten, zuzüglich der Zuzahlung in Geld, und aus beiden ergibt sich der Wert je Punkt.
Die Rechnung dafür steht in was Punkte wirklich wert sind. Sie ist einfach und ersetzt jede Bewertungsliste aus dem Netz. Alles Weitere ist die Frage, ob dieser Wert über dem eigenen Maßstab liegt, und der Maßstab ist persönlich und sollte vorher feststehen.
In dieselbe Rechnung gehört ein Verzicht, der oft fehlt. Eine Prämienbuchung bringt nicht die Gutschrift, die ein bar gekaufter Flug bringen würde, und bei einem Statusziel ist das sofort spürbar: Zwei Prämienflüge im Jahr können die Qualifikation kosten, obwohl sie rechnerisch günstig waren. Die Antwort hängt deshalb auch am Jahr. In einem Jahr mit Statusziel gewinnt Bargeld häufiger, in einem Jahr ohne Ziel gewinnen Punkte.
Warum der Vergleichspreis der eigene ist#
Drei Größen bestimmen die Antwort: der eigene Vergleichspreis, der eigene Maßstab und die Nebenwirkungen der Buchung. Die ersten beiden sind Zahlen, die dritte ist eine Liste.
Die Alternative, die wirklich stattgefunden hätte#
Verglichen wird mit der Buchung, die sonst stattgefunden hätte, und nicht mit dem teuersten Angebot. Bei einer Reise, die sonst in der Economy stattgefunden hätte, ist die Economy der Vergleich. Hätte die Reise ohne Punkte gar nicht stattgefunden, gibt es keinen Vergleichspreis.
Am Vergleichspreis entscheiden sich die meisten Diskussionen über angeblich hohe Werte, denn ein Wert, der auf einem Preis beruht, den niemand gezahlt hätte, ist keine Ersparnis. Ein einfacher Test hilft bei der Prüfung. Würdest du diese Buchung zu diesem Preis auch dann machen, wenn du keine Punkte hättest? Lautet die Antwort nein, ist der Vergleichspreis ein anderer.
Der eigene Maßstab#
Ein Maßstab ist eine Zahl, die vorher festgelegt wird. Er trennt gute von schlechten Einlösungen, ohne dass jede Buchung neu diskutiert werden muss.
Als Untergrenze eignet sich der Preis, zu dem das Programm Punkte verkauft, und für den Anfang ist er eine brauchbare Näherung. Eine Einlösung darunter bringt weniger, als die Punkte beim Kauf gekostet hätten, wie Punkte kaufen zeigt, und alles deutlich darüber ist eine gute Einlösung.
Nach oben ist der Maßstab offen. Bei seltenen Einlösungen dürfen die Ansprüche höher sein, bei häufigen Reisen reichen auch mittlere Werte. Mit einem festen Maßstab muss keine Einlösung mehr verteidigt werden, sie liegt darüber oder nicht. Ändern darf sich der Maßstab, aber nicht während einer Buchung. Nachträglich gesenkt, um eine Einlösung zu rechtfertigen, ist er abgeschafft.
Was noch auf die Waagschale gehört#
Ein bar gekaufter Flug schreibt Meilen und Statuspunkte gut, eine Prämienbuchung in der Regel nicht. Mit einer Statusstufe als Jahresziel spricht das im Zweifel für Bargeld, und die Punkte warten auf ein Jahr ohne Statusziel. Die Gutschrift lässt sich auch beziffern: Mit der Zahl der Punkte, die ein bar gekaufter Flug bringt, lässt sie sich zum Barpreis hinzurechnen, und die Rechnung wird genauer.
Auf der anderen Seite steht die Flexibilität. Prämienbuchungen lassen sich häufig gegen Gebühr zurückbuchen, während günstige Bartarife gar nichts erstatten. Bei unsicheren Plänen ist ein solcher Bartarif deshalb teurer, als sein Preis aussieht. Dazu kommt die Verfügbarkeit. Eine Prämienbuchung gibt es nur, wenn ein Platz freigegeben ist, und das ist bei beliebten Terminen die größte Hürde, wie wie Prämienverfügbarkeit entsteht beschreibt.
Abwertungen wirken in die andere Richtung. Ein gehaltener Bestand trägt das Risiko steigender Prämienpreise, wie was bei einer Abwertung passiert beschreibt, und das spricht im Zweifel für eine Einlösung heute.
Rechenbeispiel: dieselbe Reise, zwei Wege#
Angenommen, dieselbe Verbindung lässt sich bar oder mit Punkten buchen. Der Barpreis ist bekannt, der Prämienpreis ebenso, und die Zuzahlung ist unterschiedlich hoch.
| Economy, günstiger Tarif | Premiumkabine | |
|---|---|---|
| Barpreis | niedrig | hoch |
| Prämienpreis in Punkten | niedrig | hoch |
| Zuzahlung | gering | teils erheblich |
| Wert je Punkt | niedrig | hoch |
| Meilengutschrift beim Barkauf | fällt weg bei Einlösung | fällt weg bei Einlösung |
| Empfehlung | bar zahlen | Einlösung prüfen |
Über fast alle Programme wiederholt sich ein Muster: Je teurer die Kabine, desto eher lohnt die Einlösung.
In der Economy-Spalte steht ein niedriger Barpreis gegen einen niedrigen Prämienpreis, und schon die geringe Zuzahlung drückt den Wert je Punkt unter den Maßstab. Bar gezahlt, kommt noch die Meilengutschrift hinzu, und der Abstand wird größer. In der Premiumkabine ist der Barpreis so hoch, dass auch nach Abzug der Zuzahlung ein hoher Wert je Punkt bleibt. Ob er über dem eigenen Maßstab liegt, entscheidet am Ende die Höhe der Zuschläge.
Die Zuzahlung kippt einzelne Fälle. Hohe Zuschläge in Premiumkabinen können den Wert je Punkt so weit senken, dass Barzahlung wieder besser ist. Der Wert je Punkt selbst ist das Ergebnis, auf das alles hinausläuft, und er lässt sich in zehn Sekunden berechnen, sobald Barpreis, Prämienpreis und Zuzahlung bekannt sind.
Bei Buchungen mit Punkte-plus-Zuzahlung gilt dieselbe Rechnung. Wie sie dort aussieht, zeigt Punkte plus Zuzahlung im Detail.
Zwei Buchungen mit gleichem Barpreis können unterschiedliche Prämienpreise haben, und ein Vergleich zwischen zwei Terminen lohnt sich deshalb, bevor die Entscheidung überhaupt fällt. Ein anderer Reisetag kann so aus einer schwachen eine gute Einlösung machen. Dasselbe gilt für zwei Programme, in denen derselbe Flug unterschiedlich viele Punkte kostet und der Wert je Punkt entsprechend verschieden ausfällt.
Bei kleinem Bestand ist die Frage einfacher, als sie scheint. Reicht er für keine sinnvolle Einlösung, wird bar gezahlt und weiter gesammelt, und die Entscheidung stellt sich erst später. Wie viel für eine sinnvolle Einlösung nötig ist, zeigt der Prämienpreis der Strecken, die man ohnehin fliegt.
Wann Bargeld die bessere Wahl ist#
Bargeld gewinnt in mehreren Lagen, und alle sind häufiger als vermutet.
Bei günstigen Tarifen. Der Wert je Punkt liegt dann fast immer unter dem eigenen Maßstab.
Bei Statuszielen. Ein bar gebuchter Flug zählt für die Qualifikation, eine Prämienbuchung nicht.
Bei knapper Verfügbarkeit. Sind nur schlechte Verbindungen als Prämie frei, kauft die Einlösung eine schlechtere Reise.
Bei hoher Zuzahlung. Machen Steuern und Zuschläge einen großen Teil des Barpreises aus, bleibt vom Vorteil wenig übrig.
Bei fester Gruppengröße. Kann nur ein Teil der Gruppe als Prämie reisen, entsteht ein organisatorisches Problem, das jeden rechnerischen Vorteil auffrisst.
Bargeld ist damit der Normalfall und die Einlösung die Ausnahme, die sich lohnt. Andersherum gedacht, wird zu häufig unter dem eigenen Maßstab eingelöst. Umgekehrt gibt es den Fall, in dem eine Einlösung trotz niedrigem Wert richtig ist. Ist Bargeld knapp und soll die Reise stattfinden, ist ein schlechter Wert besser als eine abgesagte Reise.
Wann sich die Einlösung nicht lohnt#
In diesen Fällen lohnt sich die Einlösung nicht:
- Bei niedrigem Wert je Punkt. Unter dem eigenen Maßstab wird eingelöst, was man sonst günstiger hätte kaufen können.
- Ohne Vergleichspreis. Hätte die Reise ohne Punkte nicht stattgefunden, entsteht kein Gegenwert.
- Bei Reisen mit Statusziel. Die fehlende Gutschrift kostet an anderer Stelle.
- Bei hohen Zuschlägen. Die Zuzahlung frisst den Vorteil.
- Nach stundenlanger Suche. Eine mittelmäßige Einlösung, die so viel Zeit gekostet hat, ist in Zeit schon bezahlt.
- Bei Kurzstrecken mit Aufpreis für Gepäck. Dort ist der Barpreis auf den ersten Blick niedrig und mit Gepäck plötzlich nicht mehr, und die Rechnung dreht sich.
Mit übertragbaren Punkten gibt es zusätzlich die Wahl zwischen dem Reiseportal der Bank und einem Transfer, und beide Wege liefern unterschiedliche Werte je Punkt. Gerechnet wird für beide Wege getrennt, und nur der bessere Wert je Punkt geht in den Vergleich mit dem Barpreis.
Der Aufwand für die Rechnung ist minimal. Zwei Zahlen aus dem Buchungsportal, eine Division, und das Ergebnis steht.
Wie die Entscheidung in der Praxis läuft#
Drei Rechenschritte und drei Prüffragen genügen, und sie dauern zusammen wenige Minuten.
- Den Barpreis notieren, und zwar den Preis der Buchung, die sonst stattgefunden hätte.
- Den Prämienpreis samt Zuzahlung ermitteln, mit allen Steuern und Zuschlägen.
- Den Wert je Punkt berechnen und mit dem eigenen Maßstab vergleichen. Liegt er darüber, wird eingelöst, andernfalls bar gezahlt.
- Die entgangene Gutschrift prüfen. Steht in diesem Jahr ein Statusziel an, wiegt sie schwerer als der rechnerische Vorteil.
- Die Plätze für alle Reisenden prüfen. Eine Einlösung für zwei von vier Reisenden erzeugt zwei Buchungen und damit ein neues Problem.
- Die Bedingungen der Prämienbuchung lesen. Ob und zu welchem Preis sie sich später ändern lässt, steht dort und nicht im Barpreis.
Mit diesem Ablauf fällt dieselbe Entscheidung zweimal gleich aus, und darin unterscheidet sich eine Regel von einem Bauchgefühl.
Bei regelmäßigen Buchungen lohnt eine Liste der eigenen Werte je Punkt. Nach fünf Buchungen zeigt sie, wo der eigene Maßstab realistisch liegt, und danach fällt die Entscheidung beim ersten Blick auf die beiden Preise.
Im Zweifel gewinnt Bargeld. Ein Bestand bleibt erhalten und lässt sich später einsetzen, eine eingelöste Buchung ist endgültig. Eine verschobene Einlösung trägt allerdings das Risiko einer Abwertung, und deshalb gilt diese Zweifelsregel nur für Fälle, die rechnerisch dicht beieinanderliegen.
Was die Entscheidung zusätzlich beeinflusst#
Nicht jede Größe lässt sich in den Wert je Punkt pressen. Drei Dinge gehören trotzdem dazu.
Die Reisezeit. Eine Prämienverbindung mit langen Umwegen kostet Stunden, und Stunden sind knapper als Punkte.
Die Umbuchbarkeit. Wer flexibel bleiben muss, ist mit einer Prämienbuchung oft besser bedient, weil sie sich gegen Gebühr auflösen lässt. Eine Prämienbuchung liegt allerdings in einer eigenen Buchungsklasse, und die bestimmt, ob eine spätere Umbuchung möglich ist und was sie kostet.
Der Bestand. Ein großer Bestand ohne Plan verliert durch Abwertungen an Wert, und eine gute Einlösung heute ist besser als eine perfekte in drei Jahren.
Keines der drei lässt sich in eine Zahl übersetzen, aber jedes lässt sich benennen. Eine Entscheidung mit drei genannten Gründen ist besser als eine mit einer gerechneten Zahl und einem Gefühl.
Dieselbe Methode funktioniert für jede Währung. Bei Hotelbuchungen ist der Barpreis leicht zu ermitteln, und gerechnet wird mit Nächten statt Flügen. Auch Bankpunkte im Reiseportal folgen demselben Ablauf, nur die Zahlen wechseln. In vielen Fällen liegen Barpreis und Prämie dicht beieinander, und dann entscheidet der eigene Maßstab.
Die häufigsten Fehler#
- Mit dem teuersten Angebot vergleichen. In die Rechnung gehört der Preis, den man wirklich gezahlt hätte.
- Die Zuzahlung ignorieren. Sie senkt den Wert je Punkt und gehört deshalb hinein.
- Die Meilengutschrift vergessen. Sie zählt auf der Seite der Barzahlung, weil eine Prämienbuchung sie nicht bringt.
- Ohne Maßstab entscheiden. Eine vorher festgelegte Untergrenze verhindert, dass jede Buchung neu verhandelt wird.
- Bei Schnäppchen einlösen. Günstige Tarife zahlt man bar und hebt die Punkte für teure auf.
- Auf die perfekte Einlösung warten. Eine gute Einlösung heute schlägt eine perfekte irgendwann.
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Quellen und Einordnung
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Das klären wir im Gespräch
- Welche Airline-Programme passen zu unseren Strecken?
- Wie viele Flüge sind bei unseren Ausgaben realistisch?
- Was kosten Steuern und Gebühren bei Prämienflügen?

