Punkte und Meilen · Einlösung · 12 Minuten

Wo liegen die Sweet Spots in einer Prämientabelle?

Ein Sweet Spot ist eine Stelle in einer Prämientabelle, an der eine Strecke deutlich weniger Punkte kostet, als ihr Barpreis erwarten lässt.

Florian HartlGründer von Benefit Systems
Eine Hand markiert mit einem Stift eine Tabellenzelle auf einem Papier auf einem Holztisch.Symbolbild, KI-generiert
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Kurze AntwortEin Sweet Spot ist eine Stelle in einer Prämientabelle, an der eine Strecke deutlich weniger Punkte kostet, als ihr Barpreis erwarten lässt. Solche Stellen entstehen durch feste Tabellen, durch den Zuschnitt der Zonen und durch abweichende Partnerpreise, und sie verschwinden mit jeder Überarbeitung des Programms.

Auf einen Blick#

Merkmal Bedeutung
Ursache feste Tabelle mit Zonen
Bester Fundort Partnerprogramme
Haltbarkeit bis zur nächsten Überarbeitung
Voraussetzung Prämienverfügbarkeit
Killer hohe Zuschläge
Bei dynamischen Preisen existiert nicht

Die Übersicht liest sich als Kette von Bedingungen. Ein Sweet Spot setzt eine feste Tabelle mit Zonen voraus, bei dynamischen Preisen gibt es ihn nicht. Gefunden wird er meist in Partnerprogrammen, nutzbar ist er nur mit freiem Prämienplatz, und hohe Zuschläge können ihn vollständig aufzehren. Fällt eine dieser Bedingungen weg, bleibt von der günstigen Stelle nichts übrig, und spätestens die nächste Überarbeitung der Tabelle beendet sie ohnehin.

Kaum ein Begriff aus der Welt der Vielfliegerprogramme wird so oft benutzt und so selten erklärt. Ein Sweet Spot ist kein Geheimtipp. Er ist das Ergebnis einer Rechnung, die jeder selbst anstellen kann, und er hält genau so lange, wie die zugrunde liegende Tabelle unverändert bleibt.

Warum Prämientabellen ungleichmäßig sind#

Eine Prämientabelle ordnet Strecken in Zonen und weist jeder Zone einen Preis zu. Innerhalb einer Zone kostet jede Strecke gleich viel, gleich wie lang sie ist. Aus dieser Vereinfachung entstehen Ungleichgewichte: Am oberen Rand einer Zone liegt eine lange Strecke zum Preis einer kurzen, und das ist ein Sweet Spot.

Hinzu kommt die Historie. Zonen werden nach Ländern und Regionen geschnitten, und diese Schnitte folgen selten der Geografie der Flugrouten.

Auch Partnerpreise tragen dazu bei. Jedes Programm setzt eigene Preise für Flüge seiner Partner, und dieselbe Strecke kostet in drei Programmen drei verschiedene Beträge.

Und Tabellen sind träge. Sie werden selten überarbeitet, Barpreise ändern sich täglich, und schon dieser Unterschied im Tempo erzeugt Stellen, an denen Punkte auffällig wenig kosten.

Mit diesen Ursachen im Kopf wird die Suche gezielt. Gesucht werden keine Angebote, gesucht werden Stellen, an denen eine Tabelle und die Wirklichkeit auseinanderliegen. Ein Sweet Spot ist damit eher eine Rechenoperation als eine Entdeckung: Punktepreis geteilt durch Barpreis, verglichen über alle Programme, die den Flug führen.

Wo sie zu finden sind#

Drei Orte tragen die meisten Funde: Partnerprogramme mit eigenen Tabellen, die Ränder von Zonen und die Abstände zwischen den Klassen. Alle drei lassen sich systematisch absuchen.

In Partnerprogrammen#

Eine Prämie auf einem Flug lässt sich oft über mehrere Programme buchen. Der Preis richtet sich nach dem Programm, aus dem gebucht wird, und nicht nach dem, das fliegt. Für einen bestimmten Flug gehören deshalb die Tabellen aller Programme auf den Tisch, die ihn als Partner führen, wie Partner-Prämien beschreibt. Das ist die wichtigste Regel der Suche.

Der Unterschied zwischen dem teuersten und dem günstigsten Programm ist regelmäßig erheblich. Er entsteht ohne Zutun des Reisenden und allein aus der Tabelle. Eine Buchung über das falsche Programm kostet so den vollen Tabellenpreis, obwohl derselbe Sitz anderswo deutlich weniger Punkte kostet.

Nicht jedes Programm führt jede Fluggesellschaft als Partner. Die Liste der Partner ist der erste Filter der Suche, und sie steht in der Übersicht des jeweiligen Programms. Ebenso lohnt die Frage, ob ein Programm für Partnerflüge überhaupt eine feste Tabelle führt. Einige Programme rechnen eigene Flüge dynamisch ab und Partnerflüge nach Tabelle, und dort liegen die verlässlichsten Stellen.

Die Tabellen der Partnerprogramme stehen öffentlich, und sie lassen sich in wenigen Minuten nebeneinanderlegen. Der Aufwand fällt einmal je Strecke an und gilt, bis ein Programm seine Tabelle ändert.

An Zonengrenzen#

Zonen enden an Ländergrenzen, und Ländergrenzen enden nicht dort, wo Flugrouten enden. Ein Ziel am äußersten Rand einer günstigen Zone ist die klassische Fundstelle. Verwandt damit sind Regionalstrecken innerhalb einer großen Zone: Eine lange Strecke innerhalb eines Kontinents, die in derselben Zone liegt wie ein Kurzstreckenflug, ist eine Stelle, an der die Entfernung im Preis nicht abgebildet ist.

Ebenso lohnt der Blick auf Zwischenlandungen. Eine Strecke mit Zwischenstopp innerhalb derselben Zone kostet oft dasselbe wie der direkte Flug, wie Stopover und Open Jaw beschreibt. Manche Tabellen berechnen sogar eine Rundreise mit mehreren Abschnitten als eine Prämie, und dann sinkt der Preis je Abschnitt erheblich. Wo das möglich ist, ist es meist der größte Einzelvorteil einer Tabelle.

Auch die Klassen verdienen einen Blick. In manchen Tabellen ist der Abstand zwischen Economy und Business klein, und dann ist die höhere Klasse der Sweet Spot.

Programme außerhalb der eigenen Region schneiden ihre Zonen aus einer anderen Perspektive. Was von einem Kontinent aus teuer wirkt, kann von einem anderen aus günstig eingestuft sein.

Rechenbeispiel: dieselbe Strecke, drei Programme#

Ein Langstreckenflug lässt sich über drei Programme als Prämie buchen, im eigenen Programm der Fluggesellschaft zusätzlich nach dynamischem Preis.

Programm Punktepreis Zuzahlung Bewertung
Eigenes Programm der Fluggesellschaft hoch gering Standard
Partnerprogramm A niedrig gering Sweet Spot
Partnerprogramm B niedrig hoch scheinbarer Vorteil
Eigenes Programm, dynamisch schwankend gering kein Sweet Spot
Partnerprogramm A, andere Klasse wenig höher gering oft die beste Wahl
Barkauf keine Punkte voller Preis Vergleichsmaßstab

Im eigenen Programm der Fluggesellschaft fällt der höchste Punktepreis an, bei geringer Zuzahlung. Es ist der Standard, an dem sich die anderen messen, und für den eigenen Flug keineswegs automatisch die günstigste Quelle.

Der Regelfall eines echten Fundes ist Partnerprogramm A: ein deutlich niedrigerer Punktepreis bei gleicher Zuzahlung. Nur in dieser Konstellation lässt sich ohne Abwägung buchen. Noch besser fährt oft, wer dort in die höhere Klasse geht. Ist der Aufpreis klein, liegt dort der größte Gegenwert, und dieser Fall wird am meisten unterschätzt.

Die häufigste Falle ist Partnerprogramm B. Ein niedriger Punktepreis mit hoher Zuzahlung ist kein Sweet Spot, er ist ein Teilkauf.

Am dynamischen Preis zeigt sich, warum Sweet Spots seltener werden. Folgt der Punktepreis dem Barpreis, verschwindet die Grundlage für Ausreißer vollständig.

Den Anker bildet der Barkauf. Ohne den Barpreis lässt sich keine der übrigen Varianten bewerten, wie Punkte oder bar beschreibt, und er ist in einer Minute nachgeschlagen. Mit einer zusätzlichen Spalte für den Wert je Punkt werden die Varianten erst vergleichbar, weil Punkte und Bargeld dann eine gemeinsame Einheit haben.

Wie man selbst sucht#

Die Methode ist einfach und braucht kein Spezialwissen. Man nimmt eine Strecke, notiert den Punktepreis in jedem verfügbaren Programm und teilt ihn durch den Barpreis. Was dabei auffällt, ist der Kandidat: Eine Strecke, bei der ein Programm nur die Hälfte des Preises eines anderen verlangt, ist eine Stelle, an der die Tabelle nachhinkt. Verlangt Programm A für einen Flug halb so viele Punkte wie Programm B bei gleicher Zuzahlung, ist jeder Punkt in Programm A auf dieser Strecke doppelt so viel wert.

Danach folgt die Prüfung der Zuzahlung. Sie entscheidet, ob aus dem Kandidaten ein echter Fund wird.

Zuletzt kommt die Verfügbarkeit. Eine günstige Tabellenstelle ohne freie Prämienplätze ist eine theoretische Größe, wie Partner-Prämien für die Suche beschreibt.

Ein festes Vorgehen hilft: erst die Strecke festlegen, dann die Programme auflisten, dann Preis und Zuzahlung eintragen, dann die Verfügbarkeit prüfen. In dieser Reihenfolge bleibt die Suche nach Prämien, die es gar nicht gibt, erspart. Sinnvoll ist außerdem ein Bezug auf den eigenen Reisezeitraum. Prämienpreise nach Tabelle sind zwar fest, aber die Verfügbarkeit schwankt über das Jahr, und eine Stelle nützt nur, wenn sie in der eigenen Reisezeit auch buchbar ist.

Nach jeder Suche lohnt eine kurze Notiz, welches Programm für welche Strecke den besten Preis führte. Das spart beim nächsten Mal die Arbeit und zeigt sofort, wenn sich eine Tabelle geändert hat.

Warum sie verschwinden#

Programme überarbeiten ihre Tabellen, und jede Überarbeitung glättet die Ausreißer. Die auffälligsten Sweet Spots sind die ersten, die verschwinden. Angekündigt werden solche Änderungen selten lange im Voraus, und eine Tabelle kann von einem Tag auf den nächsten ersetzt werden, wie Meilenverfall für den verwandten Fall beschreibt.

Dazu kommt der Wechsel zu dynamischen Preisen. Wo der Prämienpreis dem Barpreis folgt, gibt es keine Stellen mehr, an denen beide auseinanderliegen.

Programme können eine Tabelle auch unverändert lassen und trotzdem weniger Prämienplätze freigeben. Für Reisende ist der Effekt derselbe: Der Preis steht noch in der Tabelle, aber zu diesem Preis ist kaum noch ein Platz zu haben.

Und schließlich verkürzt Aufmerksamkeit die Lebensdauer. Eine Stelle, über die viel geschrieben wird, wird stärker genutzt und fällt dem Programm schneller auf. Die bekanntesten Sweet Spots sind deshalb meist die kurzlebigsten.

Wann sich die Suche nicht lohnt#

In diesen Fällen ist die Suche verlorene Zeit:

  • Bei Programmen mit dynamischen Preisen. Dort folgt der Punktepreis dem Barpreis, und Ausreißer gibt es nicht.
  • Bei hohen Zuschlägen. Ein guter Punktepreis mit hoher Zuzahlung ist kein Vorteil.
  • Ohne Prämienverfügbarkeit auf der Strecke. Die beste Tabelle nützt nichts ohne freien Platz.
  • Bei kurzen Strecken. Der absolute Gewinn ist klein, und der Aufwand steht dazu in keinem Verhältnis.
  • Beim Sammeln auf Vorrat. Jahrelanges Sparen auf eine bestimmte Stelle endet womöglich mit einer Stelle, die vor der Buchung verschwunden ist, und mit Punkten in einem Programm, das sonst wenig taugt.
  • Mit wenigen Punkten. Ein Sweet Spot spart einen Anteil, und ein Anteil von wenig ist wenig. Der Aufwand lohnt sich ab einer Größenordnung, in der die Ersparnis eine weitere Reise trägt.
  • Mit festen Ferienzeiten. In den Hauptreisezeiten sind Prämienplätze knapp, und eine günstige Tabellenstelle ohne Platz ist wertlos. Zuerst kommt dann die Verfügbarkeit, danach der Preis.

Familien stehen vor einer eigenen Hürde. Eine Prämie für vier Personen braucht vier Plätze auf demselben Flug, und die gibt es an den bekannten Stellen fast nie. Die zweitbeste Tabelle mit guter Verfügbarkeit ist für sie fast immer die bessere Wahl.

Was ein Fund praktisch bedeutet#

Ein Sweet Spot verändert die Reihenfolge der Planung. Statt ein Ziel zu wählen und dann nach Prämien zu suchen, wird eine günstige Stelle gesucht und die Reise danach geplant.

Bei einem festen Ziel ist das die falsche Reihenfolge. Dann zählt die beste verfügbare Prämie dorthin, nicht die beste denkbare, und die Suche nach Ausreißern darf ruhen. Für flexible Reisende ist es die richtige. Dort entscheidet der Punktepreis über das Ziel, und der Gegenwert ist deutlich höher.

Beide Wege sind sinnvoll. Die Wahl zwischen ihnen hängt an der eigenen Flexibilität, mit Cleverness hat sie wenig zu tun. Die Suche nach Sweet Spots bleibt Fleißarbeit mit klarer Methode und begrenzter Haltbarkeit, lohnend für flexible Reisende mit großem Punktebestand und kaum für eine Reise im Jahr an einen festen Ort.

Bei flexibler Planung genügt eine kurze Liste. Zwei oder drei Stellen, die zum eigenen Punktebestand passen, reichen, und sie werden einmal im Jahr überprüft, weil Tabellen sich ändern.

Die häufigsten Fehler#

  • Nur im eigenen Programm suchen. Alle Partnerprogramme, die den Flug führen, gehören in den Vergleich.
  • Die Zuzahlung ignorieren. Erst sie zeigt, ob ein Fund einer ist; eine hohe Zuzahlung macht ihn zum Teilkauf.
  • Auf eine bestimmte Stelle hin sparen. Sie kann vor der Buchung verschwinden.
  • Ohne Barpreis bewerten. Er ist der einzige Maßstab.
  • Verfügbarkeit voraussetzen. Die Tabelle sagt nichts über freie Plätze.
  • Bei dynamischen Preisen suchen. Dort gibt es keine Ausreißer.
  • Mit der Buchung warten. Bei gefundener Stelle und sichtbarer Verfügbarkeit wird sofort gebucht. Tabellen ändern sich ohne Vorwarnung, und eine begonnene, aber nicht abgeschlossene Buchung schützt davor nicht.

Verwandte Themen#

Häufige Fragen

Was ist ein Sweet Spot?
Eine Stelle in einer Prämientabelle, an der eine bestimmte Strecke oder Klasse ungewöhnlich wenig Punkte kostet. Der Vorteil entsteht aus dem Zuschnitt der Tabelle, nicht aus einem Angebot.
Warum gibt es sie überhaupt?
Weil feste Tabellen Zonen bilden und Zonen Grenzen haben. An den Rändern einer Zone liegen Strecken, die im Verhältnis zur Entfernung zu günstig eingestuft sind.
Wo findet man sie zuverlässig?
In Partnerprogrammen. Wer die Prämie einer Fluggesellschaft über das Programm einer anderen bucht, zahlt den Preis dieser anderen Tabelle.
Verschwinden sie wieder?
Ja, regelmäßig. Jede Überarbeitung einer Tabelle beseitigt die auffälligsten Stellen, und Programme mit dynamischen Preisen haben sie gar nicht erst.
Wie finde ich selbst welche?
Indem man den Punktepreis durch die Entfernung teilt und mit dem üblichen Barpreis vergleicht. Auffällig sind Strecken, bei denen beide Werte weit auseinanderliegen.
Brauche ich dafür Statuspunkte?
Nein. Sweet Spots hängen an der Prämientabelle und nicht am Status, und sie stehen jedem Kontoinhaber offen.
Gilt das auch für Hotels?
In Programmen mit Kategorien ja. Ein teures Haus in einer niedrigen Kategorie ist derselbe Effekt mit anderen Zahlen.
Was ist mit Zuschlägen?
Sie können einen guten Punktepreis vollständig entwerten. Ein Sweet Spot ist erst dann einer, wenn die Zuzahlung mitgerechnet ist.
Woher weiß ich, ob sich das lohnt?
Aus dem Vergleich von gesparten Punkten und gezahltem Bargeld. Der Wert je Punkt ist die einzige Zahl, die die Frage beantwortet.
Lohnt sich das Sammeln auf einen Sweet Spot hin?
Nur bedingt. Wer lange auf eine bestimmte Stelle spart, riskiert, dass sie vor der Buchung verschwindet.
Sind sie in jedem Programm zu finden?
Nur in Programmen mit fester Tabelle. Wo der Prämienpreis dem Barpreis folgt, gibt es sie nicht mehr.
Wie schnell muss ich buchen?
Sobald eine passende Verfügbarkeit da ist. Tabellenänderungen werden selten lange im Voraus angekündigt.
Redaktioneller Hinweis Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und keine Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung. Regeln und Produktbedingungen ändern sich. Prüfe vor einem Antrag immer die aktuelle Quelle.
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