Wo kann ich im Ausland günstig Bargeld abheben?
Die vier Posten, die auf einer Auslandsabhebung landen können, warum Kreditkarten Bargeld wie einen Kredit behandeln und in welcher Reihenfolge sich die Kosten wirklich senken lassen.
Auf einen Blick#
| Posten | Wer ihn nimmt | Vermeidbar durch |
|---|---|---|
| Fremdwährungsgebühr | Kartenherausgeber | Karte ohne diese Gebühr |
| Abhebungsentgelt | Kartenherausgeber | Karte ohne dieses Entgelt |
| Automatenentgelt | Betreiber des Automaten | Bankautomat statt Betreiberautomat |
| Zinsen ab Tag eins | Kartenherausgeber | Debitkarte oder sofortige Zahlung |
| Aufschlag bei Umrechnung | Betreiber des Automaten | Abrechnung in Landeswährung |
| Wechselstubenspanne | Wechselstube | Automat statt Schalter |
Warum Bargeld teurer ist als Kartenzahlung#
Eine Kartenzahlung ist für den Herausgeber ein Umsatz, an dem er über das Händlerentgelt verdient. Eine Abhebung ist das Gegenteil: Der Herausgeber gibt Geld heraus und verdient nichts am Händler, weil es keinen gibt. Also berechnet er den Vorgang direkt.
Viele Kreditkarten behandeln eine Abhebung deshalb als Kreditaufnahme. Der zinsfreie Zeitraum bis zum Fälligkeitstermin gilt dafür nicht, und Zinsen laufen ab dem Tag der Abhebung, auch wenn die Abrechnung erst Wochen später fällig ist. Die Gebühr ist damit nur die halbe Rechnung. Bei mehreren Abhebungen im Urlaub und einem Ausgleich erst zum Fälligkeitstermin kommen Zinsen für zwei bis sechs Wochen hinzu, und sie fallen nicht auf, weil sie im Abrechnungsbetrag stecken.
Die vier Posten im Einzelnen#
Die Gebühr des Herausgebers#
Der erste Posten ist die Fremdwährungsgebühr, also derselbe prozentuale Aufschlag, der auch bei Kartenzahlungen anfällt. Er hängt an der Abrechnungswährung und am Abwickler, nicht am Land, und die Einzelheiten stehen in Was eine Fremdwährungsgebühr ist.
Der zweite Posten ist das Abhebungsentgelt. Es ist typischerweise als Prozentsatz mit Mindestbetrag formuliert, und genau dieser Mindestbetrag macht kleine Abhebungen unverhältnismäßig teuer. Fünfmal fünfzig abzuheben heißt, den Mindestbetrag fünfmal zu zahlen.
Beide Posten stehen im Preis- und Leistungsverzeichnis, und sie stehen dort getrennt. Der Blick allein auf die Fremdwährungsgebühr übersieht regelmäßig das Abhebungsentgelt, obwohl es bei kleinen Beträgen der größere Posten ist.
Das Entgelt des Automatenbetreibers#
Nicht jeder Automat gehört einer Bank. In vielen Reiseländern stehen Geräte privater Betreiber in Hotels, Bahnhöfen und Einkaufszentren, und diese Betreiber nehmen ein eigenes Entgelt, das mit deiner Bank nichts zu tun hat.
Erkennbar sind solche Geräte an zwei Dingen: Sie kündigen das Entgelt vor der Auszahlung an, weil sie es meist müssen, und sie bieten besonders aufdringlich die Umrechnung in die Heimatwährung an. Beides zusammen macht sie zur teuersten Variante.
Dagegen helfen Automaten in Bankfilialen. Sie sind meist günstiger, und im Streitfall gibt es eine Filiale, an die man sich wenden kann.
Die Umrechnung am Automaten#
Auch Automaten bieten die Abrechnung in der Heimatwährung an, und der Aufschlag dabei ist derselbe Mechanismus wie am Kartenterminal: Ein Dienstleister rechnet zu einem eigenen Kurs um, und der Aufschlag steckt im Kurs.
Am Automaten ist dieses Angebot besonders wirksam, weil es unter Zeitdruck erscheint und weil die Beträge größer sind als beim Kaffee. Bei einer Abrechnung in Landeswährung übernimmt das Kartennetzwerk die Umrechnung, und das ist fast immer günstiger. Die vollständige Mechanik steht in Warum du im Ausland nie in deiner Heimatwährung zahlen solltest.
Am Gerät kommen zwei Fragen nacheinander: zuerst die nach dem Entgelt des Betreibers, dann die nach der Währung. Beide werden häufig verwechselt, und nur die zweite lässt sich sinnvoll ablehnen. Das Entgelt abzulehnen bricht die Abhebung ab, die Umrechnung abzulehnen spart Geld.
Die Zinsfalle bei Kreditkarten#
Der vierte Posten ist der einzige, der mit der Zeit wächst, und er ist deshalb der gefährlichste. Wo eine Karte die Abhebung als Bargeldvorschuss führt, beginnt die Verzinsung sofort.
Warum das so ist. Ein Einkauf hat einen Händler, der eine Gebühr zahlt. Eine Abhebung hat keinen, und das Geld ist sofort weg. Der Herausgeber behandelt sie deshalb wie einen Kleinkredit mit eigenem Zinssatz, der häufig über dem für Einkäufe liegt.
Was daraus folgt. Der Betrag gehört so früh wie möglich ausgeglichen, im Idealfall noch während der Reise. Viele Anbieter erlauben Zwischenzahlungen jederzeit, und jeder Tag früher spart Zinsen.
Wie man es erkennt. In den Bedingungen steht ein eigener Zinssatz für Barverfügungen, und auf der Abrechnung erscheinen Abhebungen in einer eigenen Zeile. Einmal nachgesehen, gilt das Wissen für alle künftigen Reisen.
Rechenbeispiel: 600 Einheiten auf drei Wegen#
Gebraucht werden 600 Einheiten Landeswährung. Gerechnet wird mit einem Kurs von 1,17, einer Fremdwährungsgebühr von 1,75 Prozent, einem Abhebungsentgelt von 3,00 Prozent mit einem Mindestbetrag von 5 Einheiten und einem Automatenentgelt des Betreibers von 3 Einheiten.
| Einmal 600 | Dreimal 200 | Einmal 600 mit Umrechnung am Automaten | |
|---|---|---|---|
| Umgerechneter Betrag | 702,00 | 702,00 | 744,12 |
| Fremdwährungsgebühr | 12,29 | 12,29 | 13,02 |
| Abhebungsentgelt | 21,06 | 21,06 | 22,32 |
| Automatenentgelt | 3,51 | 10,53 | 3,51 |
| Summe | 738,86 | 745,88 | 782,97 |
Die Stückelung kostet hier sieben Einheiten, die Umrechnung am Automaten dagegen mehr als vierzig. Die falsche Währungswahl ist also der deutlich teurere Fehler, und sie verteuert jeden Posten, der prozentual auf den umgerechneten Betrag aufschlägt, gleich mit.
Nicht in der Tabelle stehen Zinsen. Behandelt die Karte die Abhebung als Kredit und wird der Betrag erst zur Fälligkeit ausgeglichen, kommt ein weiterer Posten dazu, dessen Höhe von der Zeit abhängt und nicht vom Betrag allein.
Die Reihenfolge, die spart#
Vier Entscheidungen senken die Kosten, und sie wirken in dieser Reihenfolge.
Erstens die Karte. Eine Karte ohne Fremdwährungsgebühr und ohne Abhebungsentgelt beseitigt zwei der vier Posten dauerhaft. Das ist eine einmalige Entscheidung, die jede spätere Optimierung überflüssig macht.
Zweitens die Währung. Immer in Landeswährung abrechnen lassen. Diese Entscheidung ist kostenlos und wiederholt sich bei jeder Abhebung.
Drittens der Automat. Ein Gerät in einer Bankfiliale statt eines Betreiberautomaten im Hotel. Der Unterschied ist an Flughäfen und in Touristengegenden am größten.
Viertens die Stückelung. Wenige große Abhebungen, sofern feste Entgelte anfallen. Das ist der kleinste Hebel.
Bargeld im Ausland ist damit vor allem ein Gebührenproblem und erst in zweiter Linie eine Frage des Wechselkurses. Zwei Posten verschwinden mit der Wahl der Karte dauerhaft, zwei weitere entscheiden sich am Automaten in zwei Sekunden: Landeswährung wählen und ein Gerät einer Bank benutzen. Stückelung und Tageslimit sind danach Feinarbeit an einer Rechnung, die schon stimmt.
Wann sich die Optimierung nicht lohnt#
In diesen Fällen ist der Aufwand größer als der Gewinn:
- Ein einziger kleiner Betrag. Bei einer einzigen Abhebung von fünfzig Einheiten bringt selbst perfekte Optimierung ein paar Münzen.
- Reiseziele mit derselben Währung. Ohne Währungswechsel entfallen zwei der vier Posten von selbst.
- Kurzreisen mit Kartenzahlung überall. In Ländern mit hoher Kartenakzeptanz ist Bargeld oft nur für Trinkgeld und Kleinstbeträge nötig.
- Wenn ohnehin Zinsen laufen. Ein bestehender Kartensaldo kostet mehr als jede Abhebungsgebühr, und dann gehört die Aufmerksamkeit dorthin, wie Was ein mitgenommener Kartensaldo kostet zeigt.
- Wenn die Ersparnis eine große Summe in der Tasche verlangt. Wenige große Abhebungen sparen Entgelte, aber das Geld wandert danach im Portemonnaie mit. Der Verlust einer Reisekasse kostet mehr als jede Gebühr, und diese Abwägung ist persönlich, nicht rechnerisch.
Was vor der Reise zu klären ist#
Fünf Angaben gehören vor der Abreise nachgesehen, und alle stehen in der App oder im Preisverzeichnis.
Das Tageslimit. Es begrenzt, wie viel je Tag abgehoben werden kann, und es ist häufig niedriger als der Bedarf im Urlaub. Eine Anhebung ist meist online möglich, aber nicht unterwegs in Minuten.
Die Sperrliste der Länder. Manche Herausgeber sperren Karten in bestimmten Regionen aus Sicherheitsgründen. Eine kurze Reisemitteilung im Kundenkonto verhindert die Sperre am Automaten.
Die Notfallnummer. Sie gehört ins Telefon und zusätzlich auf Papier, denn bei Verlust der Karte ist oft auch das Telefon weg oder ohne Netz.
Der eigene Zinssatz für Barverfügungen. Er steht in den Bedingungen und entscheidet, ob eine Zwischenzahlung während der Reise nötig ist.
Eine zweite Karte. Sie liegt getrennt von der ersten und dient der Ausfallsicherheit. Kosten entstehen keine, solange beide Karten ohne Jahresgebühr laufen.
Der Sonderfall Notfall#
Wenn Karten gesperrt sind oder verloren gehen, gelten andere Regeln, und dann zählt Verfügbarkeit mehr als der Preis. Drei Wege funktionieren fast überall.
Die zweite Karte. Sie ist der einfachste Notfallplan, und sie gehört getrennt von der ersten aufbewahrt, nicht im selben Portemonnaie.
Die Notfallauszahlung des Herausgebers. Viele Kreditkartenanbieter organisieren im Verlustfall eine Bargeldauszahlung vor Ort. Der Vorgang ist teuer und dafür schnell.
Der Transfer von zu Hause. Über Zahlungsdienste lässt sich Geld zur Abholung schicken. Die Kosten sind hoch, die Verfügbarkeit ist es auch, und für einen einzelnen Notfall ist das vertretbar.
Keiner dieser Wege ist eine Sparmaßnahme. Sie stehen hier, weil eine Reisekasse auch den Fall abdecken muss, in dem die Optimierung gar keine Rolle mehr spielt.
Die häufigsten Fehler#
- Am Automaten in Heimatwährung abrechnen. In Landeswährung übernimmt das Kartennetzwerk die Umrechnung, und das ist günstiger.
- Nur auf die Fremdwährungsgebühr achten. Bei kleinen Beträgen ist das Abhebungsentgelt mit Mindestbetrag der größere Posten.
- Die Kreditkarte für Bargeld benutzen, ohne die Zinsregel zu kennen. Viele Karten behandeln Abhebungen als Kredit, und dann laufen Zinsen ab Tag eins.
- Betreiberautomaten im Hotel benutzen. Ein Automat in der Bankfiliale ist günstiger, und im Streitfall gibt es dort einen Ansprechpartner.
- Zu Hause Devisen kaufen. Der Kurs ist meist schlechter als der des Kartennetzwerks, und das Bargeld reist dann die ganze Zeit als Risiko im Gepäck mit.
- Bei einer Fehlbuchung den Betreiber anschreiben. Reklamationen laufen über den Kartenherausgeber, und die Frist dafür ist kurz.
Wie viel Bargeld überhaupt nötig ist#
Die günstigste Abhebung ist die, die nicht stattfindet. Wie viel Bargeld eine Reise braucht, hängt an drei Faktoren, und alle drei lassen sich vorher klären.
Die Kartenakzeptanz im Zielland. In manchen Ländern zahlt man auch das Taxi mit dem Telefon, in anderen ist der Markt bar. Ein Blick in Reiseforen zum konkreten Ort beantwortet das zuverlässiger als eine allgemeine Länderregel.
Die Art der Reise. Hotels und Restaurants kommen mit wenig Bargeld aus. Überlandfahrten, Märkte und kleine Pensionen verlangen deutlich mehr.
Trinkgeldkultur und Kleinbeträge. Sie sind der eigentliche Grund für Bargeld in kartenfreundlichen Ländern, und der Bedarf ist niedrig genug, um ihn mit einer einzigen Abhebung zu decken.
Mit Antworten auf diese Fragen reicht in den meisten Ländern eine einzige Abhebung, und die ganze Gebührenfrage schrumpft auf einen Vorgang.
Bargeld im Portemonnaie ist ungeschützt. Eine gestohlene Karte wird gesperrt und ersetzt, ein gestohlener Geldbeutel nicht. Was bei einer unberechtigten Abbuchung zu tun ist, steht in Wie erkenne ich Kartenbetrug?, und wie eine strittige Zahlung zurückgeholt wird, in Chargeback und Rückbuchung.
Ein Wort zu Reisegeldkarten#
Neben normalen Karten werden Produkte beworben, die eigens fürs Reisen gedacht sind: Guthabenkarten, Mehrwährungskonten, Reisekassen mit App. Sie lösen einen Teil des Problems und schaffen einen neuen.
Gelöst wird die Währungsfrage. Ein Tausch vorab in die Zielwährung legt den Kurs fest und macht unabhängig von der Abrechnung.
Neu ist die Abhängigkeit vom Anbieter. Guthaben liegt bei einem Zahlungsdienstleister, und im Störungsfall ist es nicht verfügbar. Für eine Reisekasse ist das ein anderes Risiko als ein Bankkonto, und es gehört in die Abwägung.
Kosten verschieben sich. Statt Gebühren beim Abheben zahlt man Aufschläge beim Tauschen, teils mit Zuschlägen am Wochenende. Bei ein oder zwei Reisen im Jahr bleibt dabei selten genug übrig, um den Aufwand zu rechtfertigen.
Für die meisten Reisen bleibt deshalb die einfachste Lösung die beste: eine Karte ohne Fremdwährungsgebühr, eine Abhebung in Landeswährung am Bankautomaten, und der Rest per Kartenzahlung. Diese Kombination funktioniert in nahezu jedem Land und verlangt keine Vorbereitung ausser der einmaligen Kartenwahl.
Verwandte Themen#
Häufige Fragen
Was kostet eine Abhebung im Ausland?
Warum kostet Bargeld mehr als eine Kartenzahlung?
Soll ich am Automaten in Euro oder in Landeswährung abrechnen?
Wechselstube oder Automat?
Wie viele Abhebungen sind sinnvoll?
Soll ich Bargeld vorher in Deutschland wechseln?
Warum verlangt der Automat ein Entgelt?
Ist eine Debitkarte günstiger als eine Kreditkarte?
Was ist mit Abhebungen am Bankschalter?
Wie hoch ist mein Tageslimit?
Was tue ich, wenn der Automat das Geld nicht ausgibt?
Quellen und Einordnung
Klären Sie Ihren Fall, bevor Sie etwas beantragen
Im freien Strategiegespräch legen wir fest, welche Bausteine Sie brauchen und in welcher Reihenfolge. Noch unsicher, wie das funktioniert? Das Webinar erklärt es in 30 Minuten.
30 Minuten · online · ohne Verpflichtung
Das klären wir im Gespräch
- Welche Karte beantragen wir zuerst?
- Lohnt sich das bei unseren Ausgaben?
- Wie viel Aufwand ist das für mich?

