Buchung und Flugsuche · Sitzplätze · 11 Minuten

Lohnt sich ein Platz in der Notausgangsreihe?

Warum diese Reihe mehr Beinfreiheit hat, welche Auflagen daran hängen, wer sie nicht bekommen darf, warum manche Plätze weniger bequem sind als erwartet und wann sich der Aufpreis nicht lohnt.

Florian HartlGründer von Benefit Systems
Blick auf die großzügige Beinfreiheit in der Notausgangsreihe eines Flugzeugs mit Aussicht über die Tragfläche.Symbolbild, KI-generiert
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Kurze AntwortDie Notausgangsreihe bietet mehr Beinfreiheit, weil der Weg zum Ausgang frei bleiben muss. Ein Passagier in dieser Reihe übernimmt im Notfall eine Mitwirkungspflicht und muss dafür körperlich und sprachlich in der Lage sein. Gepäck am Sitz ist untersagt, und die Lehne lässt sich in vielen dieser Reihen nicht neigen.

Auf einen Blick#

Merkmal Notausgangsreihe
Beinfreiheit deutlich größer
Lehne oft nicht neigbar
Gepäck am Platz untersagt
Mitwirkungspflicht ja, im Notfall
Ausschlussgründe Kinder, Begleitpersonen, Mobilität, Sprache
Preis meist der höchste im Sitzplan

Die Notausgangsreihe bietet in der Economy den größten Sitzabstand, den das Flugzeug hergibt. An dem Platz hängen allerdings Auflagen, die mit Komfort nichts zu tun haben: Wer dort sitzt, übernimmt im Notfall eine Aufgabe, die Besatzung prüft vor dem Start die Eignung, und während Start und Landung bleibt der Boden vor den Füßen leer.

Warum dort mehr Platz ist#

Der zusätzliche Raum ist eine Vorschrift und kein Zugeständnis an große Menschen. Der Weg vom Gang zur Tür muss eine Mindestbreite haben, damit im Notfall eine Evakuierung in der vorgegebenen Zeit möglich ist. Diese Breite entsteht, indem die Reihe weiter nach hinten gesetzt wird.

Aus dieser Herkunft folgt alles Weitere. Der Platz gehört der Sicherheit, nicht dem Passagier, und deshalb sind die Regeln strenger als anderswo im Flugzeug. Während Start und Landung muss der Bereich vollständig frei sein, also ohne Tasche, Jacke oder Decke, und die Besatzung prüft das.

Auch die Auswahl der Personen folgt daraus. Ein Passagier in dieser Reihe ist im Notfall Teil des Ablaufs, und über die Zuteilung entscheidet deshalb die Eignung, der Preis kommt erst danach.

Die Mitwirkungspflicht im Einzelnen#

Vor jedem Start spricht ein Besatzungsmitglied die Reihe an und verlangt eine ausdrückliche Bestätigung, und auf dieser Bestätigung beruht die Zuteilung.

Erwartet wird dreierlei. Erstens, die Tür oder das Ausstiegsfenster im Notfall zu öffnen, was je nach Muster Kraft und ein zweistelliges Gewicht bedeutet. Zweitens, das Türelement aus dem Weg zu schaffen oder nach außen zu werfen. Drittens, beim Ausstieg der übrigen Passagiere zu helfen und den Anweisungen der Besatzung zu folgen.

Aus diesen drei Punkten ergeben sich die Ausschlussgründe, und sie sind international weitgehend gleich. Ausgeschlossen sind Kinder und Personen, die ein Kind begleiten. Ausgeschlossen sind Reisende mit eingeschränkter Mobilität, mit Seh- oder Höreinschränkung und mit einem Tier an Bord. Ausgeschlossen ist außerdem, wer die Anweisungen der Besatzung sprachlich nicht versteht.

Am häufigsten unterschätzt wird die Sprache. Verlangt wird Verständigung unter Lärm und Stress, Höflichkeit allein reicht nicht, und die Besatzung entscheidet darüber nach kurzer Ansprache. Ohne Antwort wird umgesetzt.

Warum manche Plätze weniger bequem sind als erwartet#

Die Reihe vor dem Ausgang#

Liegen zwei Reihen hintereinander am selben Ausgangspaar, hat nur die hintere den vollen Gewinn. Die vordere Reihe darf ihre Lehne nicht neigen, weil sie sonst den Weg verstellt. Ihr Sitzabstand ist normal, ihre Nutzbarkeit schlechter als die eines gewöhnlichen Platzes, und sie wird trotzdem gelegentlich als Platz mit mehr Beinfreiheit verkauft.

Der Platz an der Tür#

An einer in den Rumpf eingelassenen Tür springt die Wand nach innen. Der Sitz daneben verliert dadurch Breite in Schulterhöhe, und die Armlehne liegt manchmal fest. Auf Langstrecken kommt ein zweiter Punkt hinzu: An der Türdichtung zieht es spürbar, und eine Decke ist während Start und Landung nicht erlaubt.

Der Bildschirm in der Armlehne#

Weil vor der Reihe kein Vordersitz steht, ist der Bildschirm in die Armlehne eingebaut und lässt sich nur im Reiseflug ausklappen. Die Armlehne wird dadurch dicker, der Sitz schmaler, und bei manchen Mustern beträgt der Verlust mehrere Zentimeter. Welche Variante an Bord ist, zeigt der Sitzplan, wie Flugzeugtyp herausfinden beschreibt.

Welche Muster welche Reihen haben#

Die Lage der Ausgänge hängt am Flugzeug, und daraus ergeben sich drei wiederkehrende Bilder.

Schmalrumpfflugzeuge haben meist ein Paar Ausgänge über den Tragflächen, manchmal zwei Paare hintereinander. Im zweiten Fall ist die vordere Reihe die mit der festen Lehne, und genau dieses Paar ist die häufigste Fehlbuchung des ganzen Themas.

Großraumflugzeuge haben mehrere Türen über die Länge verteilt, und die Reihen dahinter sind unterschiedlich geräumig. Bei manchen Türen steht vor der Reihe eine Trennwand statt eines offenen Wegs, und dann gibt es zwar Beinfreiheit, aber keinen Platz für die Füße unter einem Vordersitz.

Regionalflugzeuge haben oft nur einen einzigen nutzbaren Ausgang mittig, und die zugehörige Reihe ist der einzige Platz mit mehr Raum im ganzen Flugzeug. Entsprechend schnell ist sie vergeben.

Welche Anordnung vorliegt, zeigt der Sitzplan, und er unterscheidet sich zwischen zwei Varianten desselben Musters. Die Reihe mit der Nummer, die beim letzten Flug richtig war, kann diesmal die falsche sein.

Rechenbeispiel: Notausgangsreihe gegen Premium Economy#

Auf einem Flug von zehn Stunden kostet die Notausgangsreihe 65 Euro je Richtung. Die Premium Economy kostet auf derselben Strecke 400 Euro Aufpreis je Richtung.

Für 130 Euro hin und zurück gibt es in der Economy den größten Sitzabstand, den das Flugzeug hergibt, häufig mehr als in der Premium Economy. Was fehlt, sind die Breite, die tiefere Lehne, die bessere Verpflegung und das zusätzliche Gepäckstück. Der Preisunterschied beträgt 670 Euro.

Für Beinfreiheit, etwa wegen der Körpergröße, ist die Notausgangsreihe zum Bruchteil des Preises zu haben. Schlaf gibt es dort gerade nicht, weil die Lehne oft feststeht. Die beiden Angebote lösen also verschiedene Probleme, und die Wahl hängt daran, welches Problem man hat. Solange Beinfreiheit gesucht wird und nicht Schlaf, bietet die Notausgangsreihe das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der ganzen Economy, bezahlt mit echten Pflichten und einem leeren Sitzbereich während Start und Landung. Der Vergleich der Kabinen steht in Premium Economy.

Was bei der Ansprache vor dem Start passiert#

Der Ablauf ist überall ähnlich und dauert eine halbe Minute, entscheidet aber über den Platz.

Ein Besatzungsmitglied tritt an die Reihe, nennt die Pflichten in Kurzform und fragt, ob jeder bereit und in der Lage ist, im Notfall zu helfen. Erwartet wird eine hörbare Antwort, nicht ein Nicken, denn die Antwort ist zugleich der Nachweis, dass die Sprache verstanden wurde.

Auffällig oft scheitert es an Kleinigkeiten. Schlafende, Passagiere mit Kopfhörern oder in ein Gespräch vertiefte werden angesprochen und im Zweifel umgesetzt, sichtbar Alkoholisierte ebenfalls. Ausgelegt wird da nichts, das ist Routine.

Kommt es zur Umsetzung, ist der Platz weg und die Gebühr zurückzuzahlen, weil eine bezahlte Leistung nicht erbracht wurde. Der Anspruch besteht auch dann, wenn die Umsetzung an der eigenen Person lag, denn verkauft hätte die Fluggesellschaft den Platz gar nicht dürfen. Widerspruch an Bord ist trotzdem zwecklos, weil die Entscheidung der Besatzung im Flug nicht überprüfbar ist.

Wie die Reihe zugeteilt wird#

Drei Wege führen zu einem Platz in dieser Reihe, und sie unterscheiden sich in Preis und Sicherheit.

Der erste ist der Kauf bei der Buchung. Er ist teuer und sicher, sofern kein Flugzeugtausch dazwischenkommt. Die Bewertung dieser Gebühr steht in Sitzplatzgebühren.

Der zweite ist der Status. Viele Programme geben ihren Mitgliedern Zugriff auf diese Reihen ohne Aufpreis, teils ab der ersten Stufe. Für Vielflieger ist das eine der wenigen Statusleistungen, die auf jedem einzelnen Flug wirkt.

Der dritte ist die Freigabe beim Einchecken. Nicht verkaufte Plätze werden bei vielen Fluggesellschaften mit Beginn des Eincheckens kostenlos freigegeben, weil die Besatzung sie ohnehin besetzen muss. Mit pünktlichem Check-in gibt es sie manchmal umsonst.

Einen vierten Weg gibt es nicht. Der Tausch an Bord funktioniert hier nicht, weil die Besatzung jede Umsetzung freigeben muss und die Eignung erneut prüft, auch wenn der Sitznachbar einverstanden ist.

Was die Reihe sonst noch mit sich bringt#

Vier Nebenwirkungen fallen erst an Bord auf, und alle vier gehören in die Entscheidung.

Die erste ist die Lautstärke. Notausgänge über den Tragflächen liegen in Höhe der Triebwerke, und der Pegel ist dort höher als weiter vorn. Auf einem langen Flug ist das ein Faktor, der die gewonnene Beinfreiheit teilweise aufwiegt.

Die zweite ist die Durchgangslage. Die Reihe liegt an einer natürlichen Engstelle, und Passagiere sammeln sich dort beim Warten auf die Toilette. Auf dem Gangplatz wird man häufiger gestreift als anderswo.

Die dritte ist die Bewegungsfreiheit ohne Tasche. Der Vorteil der freien Fußfläche kehrt sich um, wenn man während des ganzen Flugs an das Fach über dem Sitz muss, um an Buch, Wasserflasche oder Kopfhörer zu kommen. Abhilfe schafft, vorher zu überlegen, was man während des Flugs braucht, und es in die Sitztasche zu legen.

Die vierte ist die Kälte an der Tür. Auf Langstrecken ist der Bereich an der Türdichtung spürbar kühler, und eine Decke ist während Start und Landung nicht erlaubt. Bei Neigung zum Frieren ist eine Reihe weiter innen die bessere Wahl.

Wann sich der Aufpreis nicht lohnt#

Auf Flügen unter drei Stunden ist der Zugewinn gering, und die Einschränkungen wiegen schwerer als der Platz. Eine Jacke, die nicht auf dem Schoß liegen darf, und ein Rucksack, der ins Fach muss, sind bei einer Stunde ein schlechter Tausch.

Auf Nachtflügen ist die feste Lehne der entscheidende Nachteil. Wer schlafen will, sitzt in einer gewöhnlichen Reihe besser, und die Rechnung steht in Sitzabstand.

Bei einer Reise zu zweit oder mit Familie ist die Reihe häufig ungeeignet, weil die Plätze einzeln verkauft werden und Kinder ausgeschlossen sind.

Ist die Reihe die vordere von zweien, kauft man einen Verlust mit Aufpreis. Zwei Prüfungen vor dem Kauf entscheiden deshalb fast alles: Ist es die hintere der beiden Reihen, und erfülle ich die Voraussetzungen? Beide Antworten stehen vor der Buchung fest, und beide kosten nur einen Blick in den Sitzplan der konkreten Verbindung.

Warum die Auflagen so streng sind#

Der Maßstab hinter allem ist eine einzige Zahl aus der Musterzulassung: Ein Flugzeug muss sich innerhalb einer festgelegten kurzen Zeit vollständig räumen lassen, und zwar mit der Hälfte der verfügbaren Ausgänge. Dieser Nachweis wird bei der Zulassung unter Aufsicht erbracht.

Aus dieser Vorgabe ergibt sich die gesamte Regelkette. Der Weg muss frei sein, sonst stimmt die Zeit nicht. Die Tür muss in Sekunden geöffnet werden, sonst stimmt die Zeit nicht. Und wer sie öffnet, muss dazu in der Lage sein, sonst stimmt die Zeit nicht.

Für Passagiere ist das die nützlichste Einordnung des ganzen Themas. Die Auflagen sind keine Schikane und keine Gegenleistung für den Platz, sie sind der Grund, warum der Platz überhaupt existiert. Als Preis für Beinfreiheit missverstanden, führen sie an Bord zu Diskussionen, die der Passagier verliert.

Dieselbe Logik erklärt auch, warum die Besatzung im Zweifel gegen den Passagier entscheidet. Eine falsche Entscheidung in diese Richtung kostet einen verärgerten Reisenden, eine falsche in die andere Richtung kostet im Ernstfall Zeit, die niemand hat.

Die häufigsten Fehler#

  • Die vordere Reihe für die geräumige halten. Den vollen Gewinn hat nur die hintere, vorn steht die Lehne fest.
  • Auf einem Nachtflug darauf setzen. Die feste Lehne kostet den Schlaf, und der ist auf einem Nachtflug mehr wert als die Beine.
  • Gepäck am Platz behalten wollen. Während Start und Landung muss alles weg, auch die Jacke.
  • Die Voraussetzungen ignorieren. Die Besatzung setzt um, und die Gebühr ist dann zurückzuzahlen.
  • Mit Kindern dort buchen wollen. Kinder und ihre Begleitpersonen sind ausgeschlossen.
  • Nach einem Flugzeugtausch nichts prüfen. Im neuen Muster kann die Reihe woanders liegen.
  • Alles im Fach über dem Sitz verstauen. Was während des Flugs gebraucht wird, gehört in die Sitztasche, sonst steht man ständig auf.

Verwandte Themen#

Häufige Fragen

Warum gibt es dort mehr Platz?
Weil der Weg zum Ausgang eine Mindestbreite haben muss. Der zusätzliche Raum ist ein Sicherheitsabstand und keine Komfortleistung.
Welche Pflichten übernehme ich?
Im Notfall die Tür oder das Fenster zu öffnen und beim Ausstieg zu helfen. Die Besatzung erklärt das vor dem Start und erwartet eine Bestätigung.
Wer darf dort nicht sitzen?
Kinder und Begleitpersonen von Kindern, Personen mit eingeschränkter Mobilität, Reisende mit Tieren und wer die Sicherheitsanweisungen nicht versteht.
Muss ich eine bestimmte Sprache sprechen?
Ja, eine der Arbeitssprachen der Besatzung. Ohne Verständigung ist die Mitwirkung im Notfall nicht gewährleistet.
Darf ich Gepäck am Platz haben?
Nein. Während Start und Landung muss der Bereich frei sein, und das gilt auch für kleine Taschen unter dem Vordersitz.
Lässt sich die Lehne neigen?
In vielen Reihen nicht, weil dahinter ein Ausgang liegt. Der Platz hat dann mehr Beinfreiheit und weniger Ruheposition.
Ist die Reihe immer kostenpflichtig?
Meist ja, sie gehört zu den teuersten Plätzen im Sitzplan. Statusinhaber bekommen sie in vielen Programmen kostenfrei.
Kann ich am Gate umgesetzt werden?
Ja. Stellt die Besatzung fest, dass jemand die Voraussetzungen nicht erfüllt, wird der Platz getauscht, und die Gebühr ist zu erstatten.
Gibt es einen Nachteil bei der Kälte?
An manchen Türen zieht es spürbar. Auf Langstrecken ist das ein Punkt, der bei der Wahl selten bedacht wird.
Sind alle Notausgangsreihen gleich?
Nein. Bei zwei Reihen hintereinander am selben Ausgang ist meist nur die hintere wirklich geräumig, die vordere verliert die Neigung.
Zählt die Reihe für Familien?
Nein. Wer mit kleinen Kindern reist, darf dort nicht sitzen, und die Familie würde ohnehin getrennt.
Woran erkenne ich sie im Sitzplan?
An der größeren Lücke zwischen zwei Reihen und an der Markierung des Ausgangs. Die Reihe davor ist die mit der festen Lehne.

Quellen und Einordnung

Redaktioneller Hinweis Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und keine Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung. Regeln und Produktbedingungen ändern sich. Prüfe vor einem Antrag immer die aktuelle Quelle.
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