Bekomme ich ohne Sitzplatzreservierung einen Platz?
Warum Sitzplätze getrennt verkauft werden, wie die Zuweisung ohne Gebühr funktioniert, was Familien beachten müssen
Auf einen Blick#
| Situation | Gebühr sinnvoll |
|---|---|
| Kurzstrecke, allein | selten |
| Kurzstrecke, zu zweit | manchmal |
| Langstrecke, allein | häufig für Gang oder Fenster |
| Langstrecke, Familie | fast immer |
| Knapper Anschluss | ja, für vordere Reihen |
| Basistarif mit Zuweisung | Rechnung gegen höheren Tarif |
Von allen Zusatzgebühren im Flugverkehr ist die Sitzplatzgebühr die, über die am meisten geärgert wird. Sie verkauft nichts Neues, sondern die Auswahl unter etwas, das ohnehin zugeteilt wird, und genau deshalb wirkt sie willkürlich.
Zwei Größen bestimmen, ob sie sich lohnt: die Flugdauer und die Zahl der Mitreisenden. Bei Basistarifen kommt eine dritte hinzu, weil dort jede Platzwahl extra kostet. Die Gebühr steht dann gegen den Aufpreis für den nächsthöheren Tarif, der die Wahl bereits enthält, und nicht gegen null.
Warum Sitzplätze getrennt verkauft werden#
Ein Ticket kauft die Beförderung von einem Ort zum anderen. Welcher Platz dabei belegt wird, ist aus Sicht der Fluggesellschaft eine eigene Leistung. Die Trennung erlaubt einen niedrigeren Grundpreis: Ohne Platzwunsch zahlt man weniger, mit Platzwunsch zahlt man dafür. Ohne Gebühr entsteht also kein Nachteil an der Beförderung, nur an der Auswahl.
Die automatische Zuweisung erfolgt beim Einchecken, und zwar aus dem Bestand, der dann noch frei ist.
Innerhalb desselben Flugzeugs reicht die Preisspanne weit. Ein Platz am Fenster in der letzten Reihe kostet wenig, ein Platz in der Notausgangsreihe ein Vielfaches davon. Die Spanne bildet die Nachfrage ab, nicht den Komfortunterschied.
Bezahlt wird eine Zusage über einen Platz, keine Garantie über das Flugzeug. Wird ein anderer Flugzeugtyp eingesetzt, wird die Sitzordnung neu vergeben.
Auch die Art der Buchung spielt hinein. Über ein Portal gebuchte Flüge zeigen die Sitzplatzwahl oft erst nach der Zahlung oder gar nicht, und die Auswahl muss dann auf der Seite der Fluggesellschaft nachgeholt werden. Ohne Zugriff auf diese Buchung ist die Gelegenheit verloren, wie direkt oder Portal beschreibt.
Wie die Zuweisung ohne Gebühr funktioniert#
Zwei Mechanismen bestimmen, welchen Platz jemand ohne Gebühr bekommt: der Bestand, der für die automatische Zuweisung übrig bleibt, und der Zeitpunkt des Eincheckens.
Der Bestand#
Fluggesellschaften halten einen Teil der Plätze für die automatische Zuweisung zurück. Dieser Teil schrumpft, je mehr Plätze im Voraus verkauft werden.
Auf gut ausgelasteten Strecken bleiben deshalb vor allem Mittelsitze und hintere Reihen, denn die besseren Plätze sind vorab verkauft.
Früh einchecken heißt mehr Auswahl unter den verbleibenden Plätzen, und damit ist der Zeitpunkt des Eincheckens der wirksamste kostenlose Hebel. Bei Fluggesellschaften mit Vierundzwanzig-Stunden-Fenster ist der Unterschied zwischen einer Minute nach Öffnung und drei Stunden später erheblich; auf beliebten Strecken entscheidet er über Gang oder Mittelsitz. Manche Fluggesellschaften geben außerdem kurz vor Abflug Plätze frei, wenn absehbar ist, dass sie nicht verkauft werden. Ein zweiter Blick am Vorabend und am Gate kann sich lohnen.
Der Bestand unterscheidet sich nach Strecke. Auf touristischen Strecken mit hoher Auslastung ist er klein, auf Geschäftsreisestrecken mit vielen Statusinhabern ebenfalls, und auf Strecken mit wechselnder Nachfrage bleibt er groß. Mit etwas Streckenkenntnis ist die Gebührenfrage deshalb oft ohne Rechnung beantwortet.
Die Reisegruppe#
Die automatische Zuweisung kennt die Buchung, berücksichtigt sie aber nicht zuverlässig. Zwei Personen auf einer Buchung sitzen häufig getrennt.
Familien mit kleinen Kindern sind etwas besser gestellt. Fluggesellschaften setzen kleine Kinder in der Regel neben eine Begleitperson, und das geschieht beim Einchecken. Das ist allerdings eine Zuweisung und keine Zusage, und auf vollen Flügen endet es in einer Klärung am Gate.
Für Gruppen ohne Kinder gibt es diese Rücksicht nicht. Vier Erwachsene auf einer Buchung werden verteilt wie vier Einzelreisende, und das fällt erst beim Einchecken auf. Bei getrennt gebuchten Tickets für dieselbe Reise fehlt die Rücksicht ebenso. Zwei Buchungen sind zwei Vorgänge, und das System verbindet sie nicht, wie getrennte Tickets beschreibt.
Welche Plätze ihr Geld wert sind#
Ob eine Gebühr ihr Geld wert ist, hängt weniger an ihrer Höhe als am Platz, den sie kauft, und an der Frage, wofür dieser Platz auf dem konkreten Flug gebraucht wird.
Der Gang ist auf langen Flügen die verlässlichste Investition. Er erlaubt Bewegung, ohne dass jemand aufstehen muss. Für Schlafende ist dagegen das Fenster die bessere Wahl, weil es eine Anlehnfläche bietet und vor dem Verkehr im Gang schützt.
Die vorderen Reihen sind bei knappen Anschlüssen ihr Geld wert. Fünf Minuten früher aus dem Flugzeug entscheiden über eine erreichte Verbindung, wie Umsteigezeit beschreibt.
Die Notausgangsreihe bietet mehr Beinfreiheit und trägt Auflagen. Sie ist nicht für jeden geeignet, wie Notausgangsreihe beschreibt.
Die hinteren Reihen sind häufig die günstigsten und nicht die schlechtesten. Sie werden zuletzt verkauft, bleiben auf mittelvollen Flügen öfter frei und bieten dann mehr Platz als ein bezahlter Platz weiter vorn.
Der Mittelsitz ist der einzige Platz, für den fast niemand zahlt. Allein und flexibel bekommt man ihn zugewiesen und kann an Bord fragen, ob ein Tausch möglich ist, sobald die Tür geschlossen ist. Ein Tausch nach dem Boarding gelingt häufiger, als viele annehmen, aber nur bei gleichwertigen Plätzen; einen Mittelsitz gegen einen Gang tauscht kaum jemand.
Zu zweit hilft ein anderer Trick: Gang und Fenster in derselben Dreierreihe wählen und den Mittelsitz frei lassen. Bei mittlerer Auslastung bleibt er es. Wird er doch belegt, ist ein Tausch mit dieser Person fast immer möglich.
Ein Platz mit mehr Beinfreiheit lohnt sich vor allem bei großer Körpergröße. Der Unterschied zwischen einer normalen Reihe und einer Reihe mit zusätzlichem Abstand ist auf einem Nachtflug größer als jeder andere Komfortunterschied in der Kabine, wie Sitzabstand beschreibt.
Rechenbeispiel: eine Familie auf Langstrecke#
Zwei Erwachsene und zwei Kinder fliegen auf einer Langstrecke hin und zurück. Eine Reservierung für alle vier in beiden Richtungen bedeutet acht Einzelgebühren, vier Personen mal zwei Richtungen. Eine Reservierung nur für den Hinflug halbiert die Zahl auf vier.
| Variante | Kosten | Ergebnis |
|---|---|---|
| Keine Gebühr | keine | Zuweisung, voraussichtlich getrennt |
| Nur Hinflug reservieren | halbe Gebühr | Rückflug bleibt offen |
| Alle vier, beide Richtungen | acht Einzelgebühren | Sitzordnung gesichert |
| Früh einchecken statt zahlen | keine | abhängig vom Restbestand |
| Höherer Tarif mit Sitzplatzwahl | Tarifdifferenz | oft günstiger als acht Gebühren |
| Am Gate klären | keine | unsicher, kostet Zeit |
Ganz ohne Gebühr bleibt die Familie auf die Zuweisung angewiesen. Kleine Kinder werden in der Regel neben eine Begleitperson gesetzt, die zweite erwachsene Person kann dagegen weit entfernt landen, und auf einer Langstrecke sind das viele Stunden getrennt.
Am häufigsten fehlt der Vergleich mit dem höheren Tarif. Ein Tarif mit enthaltener Sitzplatzwahl ist bei vier Personen regelmäßig billiger als acht Einzelgebühren, wie Basistarife beschreibt. Die acht Gebühren kaufen eine Sitzordnung, keine bessere Beförderung.
Unterschätzt wird das frühe Einchecken. Pünktlich zum Beginn des Eincheckens finden sich auf vielen Flügen noch zwei Paare nebeneinander, und das kostet nichts außer einer Erinnerung im Kalender. Dieser Weg hat allerdings eine Bedingung: Es müssen überhaupt noch Plätze in der automatischen Zuweisung übrig sein. Auf stark vorverkauften Flügen ist auch zur ersten Minute nichts Gutes mehr frei.
Nur den Hinflug zu reservieren, ist ein brauchbarer Kompromiss für lange Reisen. Der Hinflug ist meist der kritischere, weil die Ankunft und der erste Tag daran hängen, und für den Rückflug reicht die Zuweisung häufiger aus.
Am riskantesten ist die Klärung am Gate. Sie hängt an der Auslastung und an der Bereitschaft anderer Reisender zum Tausch, und beides lässt sich nicht planen.
Wann sich die Gebühr nicht lohnt#
Die Grundfrage lautet: Wie lange dauert der Flug, und wie viele reisen zusammen? Kurz und allein heißt fast immer nein, lang und zu mehreren fast immer ja, und dazwischen entscheidet der Preis gegen den nächsthöheren Tarif. Überflüssig ist das Zahlen in diesen Fällen:
- Auf kurzen Flügen allein. Eine Stunde am Mittelsitz ist kein nennenswerter Nachteil.
- Bei gering ausgelasteten Flügen. Dort bleibt nach dem Einchecken ohnehin Auswahl.
- Mit Status, der die Wahl einschließt. Die Gebühr wäre doppelt gezahlt.
- Wenn ein Flugzeugwechsel wahrscheinlich ist. Die Zuweisung wird dann ohnehin neu vergeben.
- Bei sehr späten Buchungen. Sind nur noch wenige Plätze frei, bezahlt die Gebühr eine Auswahl, die kaum besteht.
- Bei freier Platzwahl an Bord. Es gibt keine Zuweisung, und die Gebühr kauft lediglich ein früheres Boarding. Der Nutzen hängt dann an der Auslastung, nicht am Platz selbst.
Bei deutlich unterbelegten Flügen gibt es einen Sonderfall. Die Kabine wird vor dem Abflug neu verteilt, um das Gewicht auszugleichen, und eine bezahlte Reservierung ist dann nicht selten die einzige, die Bestand hat.
Sehr lange Flüge mit Zwischenlandung haben ihre eigene Rechnung. Die Sitzordnung wird für beide Abschnitte getrennt vergeben, und die Gebühr fällt zweimal an. Mit einer Reservierung nur für den ersten Abschnitt sitzt man auf dem zweiten wieder in der Zuweisung. Bei Prämienbuchungen ist die Sitzplatzwahl meist wie bei einem bezahlten Ticket geregelt, und die Gebühr fällt zusätzlich zu den Punkten an.
Was bei Problemen gilt#
Wird der bezahlte Platz nicht bereitgestellt, besteht ein Anspruch auf Erstattung der Gebühr. Das gilt auch, wenn ein anderes Flugzeug eingesetzt wird.
Die Erstattung erfolgt nicht automatisch, auch wenn die Fluggesellschaft den Platzwechsel selbst veranlasst hat. Sie wird nach der Reise schriftlich verlangt, mit Buchungsnummer, Flugdaten und dem Hinweis auf den abweichenden Platz.
Hilfreich ist eine Bestätigung an Bord oder am Gate. Ein Name und eine Uhrzeit genügen, und ein Foto der neuen Bordkarte ergänzt sie. Ohne solche Belege ist später schwer nachzuweisen, dass der bezahlte Platz nicht gestellt wurde, und der Antrag hängt dann an der Erinnerung des Reisenden.
Bei einer Annullierung wird die Gebühr zusammen mit dem Ticket erstattet. Eine Rückforderung nur des Flugpreises lässt sie liegen, wie nicht angetretener Flug beschreibt.
Bei einer Umbuchung durch die Fluggesellschaft gilt dasselbe. Die Gebühr für den alten Flug ist verbraucht, ohne dass die Leistung erbracht wurde, und sie wird auf Nachfrage erstattet oder auf den neuen Flug übertragen. Nach jeder bezahlten Reservierung lohnt am Vortag ein Blick auf die Bordkarte, denn Änderungen werden selten angekündigt.
Reisende mit eingeschränkter Mobilität haben eigene, kostenlose Verfahren zur Platzvergabe. Eine Gebühr für einen Platz, der ihnen ohnehin zusteht, ist überflüssig.
Anders bei Kleinkindern mit eigenem Sitz. Nicht alle Plätze sind für Kindersitze zugelassen, und die Zuweisung ohne Gebühr berücksichtigt das nicht immer. Die Reservierung ist hier weniger eine Komfortfrage als eine Voraussetzung.
Auf einer regelmäßig geflogenen Strecke prägen sich die Reihen ein, die auf dem eingesetzten Muster besonders gut oder besonders schlecht sind. Zwei oder drei Reihennummern im Kopf ersetzen jede Recherche, und sie gelten für Jahre.
Die häufigsten Fehler#
- Annehmen, eine Buchung sichert benachbarte Plätze. Die Zuweisung kennt keine Wünsche, und eine Familie auf einer Buchung kann verteilt im Flugzeug landen.
- Spät einchecken und auf Auswahl hoffen. Der Bestand für die Zuweisung schrumpft mit jeder Stunde, die das Eincheckfenster offen ist.
- Acht Einzelgebühren zahlen. Der höhere Tarif mit Sitzplatzwahl ist bei vier Personen oft die günstigere Rechnung.
- Die Notausgangsreihe ohne Prüfung buchen. Die Auflagen stehen vorher fest und gelten an Bord ohne Ausnahme.
- Nach einem Flugzeugwechsel nichts prüfen. Die neue Zuweisung gehört angesehen, und eine Gebühr für einen nicht gestellten Platz wird zurückgefordert.
- Die Gebühr bei einer Annullierung vergessen. Sie gehört zur Erstattung wie der Flugpreis.
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- Wie viele Flüge sind bei unseren Ausgaben realistisch?
- Was kosten Steuern und Gebühren bei Prämienflügen?

