Status und Lounges · Kabinen · 11 Minuten

Lohnt sich der Aufpreis für Premium Economy?

Was Premium Economy tatsächlich hinzufügt, warum es zwei völlig verschiedene Produkte unter einem Namen gibt, wie der Aufpreis zu bewerten ist

Florian HartlGründer von Benefit Systems
Zwei breite Flugzeugsitze in einer Premium Economy Kabine mit spuerbar viel Beinfreiheit vor dem Fenster.Symbolbild, KI-generiert
Redaktioneller Status: entwurf Dieser Beitrag ist noch nicht veröffentlicht und deshalb nicht indexiert.
Kurze AntwortPremium Economy ist eine eigene Kabine zwischen Economy und Business, mit breiteren Sitzen, mehr Beinfreiheit und einer stärkeren Neigung der Lehne. Ein flach liegender Sitz gehört nicht dazu. Auf vielen Strecken kostet sie das Doppelte der Economy und liefert etwa ein Drittel des Unterschieds zur Business Class.

Auf einen Blick#

Merkmal Economy Premium Economy Business
Sitzabstand eng spürbar mehr Liegefläche
Sitzbreite schmal etwas breiter deutlich breiter
Lehne wenig Neigung stärkere Neigung flach
Verpflegung Standard verbessert mehrgängig
Lounge nein meist nein fast immer
Preis gegen Economy Basis Faktor zwei Faktor drei bis zehn

Premium Economy ist die jüngste der drei Langstreckenkabinen. Was in ihr enthalten ist, legt keine gemeinsame Definition fest, und unter demselben Namen verkaufen Fluggesellschaften sowohl eine eigene Kabine als auch Economy-Sitze mit etwas mehr Abstand.

Was die Kabine hinzufügt#

Premium Economy gibt drei Dinge: mehr Abstand zur Reihe davor, etwas mehr Breite und eine Lehne, die sich weiter neigt. Auf einer Langstrecke ist das kein kleiner Unterschied, weil alle drei Größen gleichzeitig auf die Ermüdung wirken.

Hinzu kommen Nebenleistungen, die je nach Fluggesellschaft variieren: eine Fußstütze, ein größerer Bildschirm, eine verbesserte Verpflegung, ein zusätzliches Gepäckstück und in manchen Fällen die bevorzugte Abfertigung am Flughafen. Keine dieser Leistungen ist Teil einer Definition, alle sind Entscheidungen der einzelnen Fluggesellschaft.

Was Premium Economy nicht gibt, ist ebenso wichtig: keinen flach liegenden Sitz, in aller Regel keinen Lounge-Zugang und keine Verpflegung auf Business-Niveau. Wer die Kabine als halbe Business Class kauft, kauft an der Erwartung vorbei. Was der Name Business Class tatsächlich umfasst, steht in Business Class.

Zwei Produkte unter einem Namen#

Die echte Kabine#

Auf modernen Langstreckenflugzeugen ist Premium Economy eine eigene Kabine mit eigener Bestuhlung. Die Sitze sind andere Sitze, nicht dieselben mit mehr Abstand. Erkennbar ist das an der Sitzbreite und daran, dass die Reihe schmaler besetzt ist, etwa sieben statt neun Plätze nebeneinander. Diese Bauform ist das Produkt, das die Kabine ihren Ruf verdankt.

Die Economy-Variante mit mehr Abstand#

Ältere Flugzeuge und einzelne Fluggesellschaften verkaufen unter demselben oder einem ähnlichen Namen Economy-Sitze mit größerem Abstand zur Vorderreihe. Die Breite bleibt dieselbe, die Lehne bleibt dieselbe, nur die Beinfreiheit wächst. Der Unterschied zur echten Kabine ist erheblich, und der Preis liegt häufig trotzdem in derselben Größenordnung. Welche Variante an Bord ist, ergibt sich aus dem Flugzeugtyp und dem Sitzplan, wie Flugzeugtyp herausfinden zeigt.

Woran sich die echte Kabine erkennen lässt#

Drei Merkmale trennen die beiden Varianten zuverlässig, und alle drei stehen vor der Buchung fest.

Merkmal eins ist die Zahl der Sitze je Reihe. Sinkt sie gegenüber der Economy desselben Flugzeugs, etwa von neun auf sieben, handelt es sich um eine eigene Bestuhlung. Bleibt sie gleich, ist es ein Economy-Sitz mit mehr Abstand.

Merkmal zwei ist die Sitzbreite in Zentimetern, die viele Fluggesellschaften und Sitzpläne angeben. Ein Unterschied von zwei bis vier Zentimetern gegenüber der Economy weist auf die eigene Kabine hin.

Merkmal drei ist die Lage im Flugzeug. Eine eigene Kabine hat eine eigene Trennwand und eigene Bordküchen. Ein abgetrennter Block innerhalb der Economy hat das nicht, und der Sitzplan zeigt es.

Rechenbeispiel: 400 Euro Aufpreis auf zehn Stunden#

Ein Langstreckenflug kostet in der Economy 720 Euro und in der Premium Economy 1.120 Euro. Der Aufpreis beträgt 400 Euro für zehn Stunden Hinflug und zehn Stunden zurück, also 20 Euro je Stunde.

Zwei Posten lassen sich beziffern: das zusätzliche Gepäckstück mit 60 Euro und, bei Fluggesellschaften mit bevorzugter Abfertigung, eine Zeitersparnis von vielleicht 20 Minuten je Richtung. Damit bleiben rund 340 Euro für Platz und Neigung, verteilt auf 20 Flugstunden.

Derselbe Flug in der Business Class kostet 2.900 Euro. Der Sprung von Economy auf Premium kostet also 400 Euro, der Sprung von Premium auf Business weitere 1.780 Euro. Die erste Hälfte des Komforts ist billig, die zweite teuer, und darin liegt der wirtschaftliche Kern der Kabine. Er erklärt auch, warum sie sich auf Tagflügen besser rechnet als die Business Class.

Wer zu zweit reist, rechnet den Aufpreis doppelt. 800 Euro für ein Paar auf einer Reise sind ein Betrag, für den sich am Zielort mehrere Nächte in einem besseren Hotel finanzieren lassen. Diese Abwägung gehört in die Rechnung, weil sie den Nutzen gegen eine echte Alternative stellt.

Warum es die Kabine überhaupt gibt#

Premium Economy antwortet auf ein Problem der Fluggesellschaften, weniger auf einen Wunsch der Reisenden. Zwischen einem Economy-Ticket für 700 Euro und einem Business-Ticket für 2.900 Euro klafft eine Lücke, in der eine große Zahl von Reisenden steht: Menschen, die mehr zahlen würden, aber nicht das Vierfache.

Die Lücke zu füllen lohnt sich für eine Fluggesellschaft doppelt. Ein Premium-Sitz bringt je Quadratmeter Kabine mehr Ertrag als ein Economy-Sitz, und er kostet weniger Gewicht und weniger Bordservice als ein Business-Sitz. Aus Sicht der Fluggesellschaft ist die Kabine damit die ertragsstärkste Fläche im ganzen Flugzeug.

Für Reisende folgt daraus eine nützliche Erwartung: Die Kabine wird kaum je verschwinden, sie wird aber weiter aufgeteilt. Mehrere Fluggesellschaften führen bereits zwei Tarifstufen innerhalb der Premium Economy, eine mit und eine ohne Umbuchung, Sitzplatzwahl und volle Meilengutschrift. Der Name über der Kabine sagt damit immer weniger und der Tarif immer mehr.

Die Nebenleistungen im Einzelnen#

Der Lounge-Zugang ist die am häufigsten falsch erwartete Leistung. Eine Handvoll Fluggesellschaften gewährt ihn, die Mehrheit nicht. Hinein kommt man über einen Status oder über eine Mitgliedschaft, wie Lounge-Zugang beschreibt, in aller Regel nicht über das Ticket.

Die Freigepäckmenge ist meist erhöht, steht aber im Tarif und nicht in der Kabine. Bei günstigen Premium-Tarifen einzelner Fluggesellschaften entspricht sie der Economy.

Die Statusgutschrift liegt zwischen Economy und Business, manchmal deutlich näher an der Economy. Maßgeblich ist der Buchstabe der Buchungsklasse, und in dieser Kabine gibt es mehrere Klassen mit unterschiedlicher Gutschrift.

Die bevorzugte Abfertigung am Flughafen gehört bei einem Teil der Fluggesellschaften dazu und umfasst dann einen eigenen Schalter sowie gelegentlich die schnellere Sicherheitskontrolle. Sie ist die Nebenleistung mit dem größten Unterschied zwischen den Anbietern, und sie wirkt an einem vollen Flughafen am Morgen stärker als jede zusätzliche Handbreit Beinfreiheit.

Die Sitzplatzwahl ist in der Premium Economy häufig kostenfrei, aber nicht überall, und für die vorderste Reihe wird auch hier gelegentlich zusätzlich kassiert.

Warum die Kabine so klein ist#

Premium Economy umfasst auf den meisten Flugzeugen zwischen zwanzig und fünfzig Plätze. Aus dieser Größe folgen zwei praktische Konsequenzen.

Die erste betrifft die Verfügbarkeit. Prämienplätze in dieser Kabine sind knapp, weil die Kabine knapp ist, und sie verschwinden schneller als in der Economy. Wie dieser Bestand freigegeben wird, steht in Verschwindende Prämienplätze.

Die zweite betrifft die Rückstufung. Wird ein Flug überbucht oder das Flugzeug getauscht, trifft es kleine Kabinen zuerst. Eine Rückstufung von Premium Economy in die Economy ist deutlich häufiger als eine Rückstufung aus der Business Class, und der Anspruch auf Erstattung der Differenz besteht in beiden Fällen. Der Unterschied zwischen einer nicht erbrachten und einer nicht gewährten Leistung ist dabei derselbe wie bei jeder anderen Buchung.

Der Weg über Upgrade und Gebot#

Viele Fluggesellschaften verkaufen den Wechsel aus der Economy nachträglich, entweder zu einem festen Preis oder über ein Gebotsverfahren. Beide Wege sind günstiger als der direkte Kauf der Kabine, und beide sind unverbindlich, bis sie bestätigt sind.

Der feste Preis wird häufig beim Einchecken angeboten und liegt oft bei einem Drittel bis der Hälfte des Preisunterschieds zwischen beiden Kabinen. Diese Rechnung trägt fast immer, sofern die Kabine die echte ist.

Ein Gebotsverfahren fragt vor der Anreise nach einem Betrag. Der Maßstab für ein Gebot ist der heutige Barpreis der Kabine abzüglich des bezahlten Economy-Preises, nicht der Preis, den die Seite als Ersparnis ausweist. Ein Zuschlag kommt nur zustande, wenn die Kabine nicht ausverkauft ist, und er wird oft erst wenige Tage vor Abflug erteilt. Bis dahin bleibt der gebuchte Economy-Platz der Plan, mit dem man rechnen muss.

Zwei Nebenwirkungen sind zu beachten. Erstens richtet sich die Statusgutschrift bei einem nachträglichen Upgrade meist weiterhin nach dem ursprünglich gekauften Economy-Tarif. Zweitens bleibt bei einer Störung der ursprüngliche Tarif maßgeblich, und die Rückerstattung des Upgrade-Betrags ist ein eigener Vorgang.

Wann sich Premium Economy nicht lohnt#

Auf Nachtflügen mit Arbeitsbeginn am Ankunftstag ist die Kabine ein Kompromiss, der beide Ziele verfehlt. Zum Schlafen braucht es eine Liegefläche, und die gibt es hier nicht. Der Aufpreis kauft dann eine etwas bequemere schlaflose Nacht.

Auf Strecken unter sechs Stunden ist der Nutzen klein. Der Unterschied im Sitzabstand wirkt mit der Zeit, und bei kurzer Flugdauer ist eine Notausgangsreihe in der Economy die bessere Rechnung, wie Notausgangsreihe zeigt.

Wenn nur die Beinfreiheit fehlt, gibt es sie billiger. Ein bezahlter Platz mit mehr Abstand kostet einen Bruchteil, und die Bewertung dieser Gebühr steht in Sitzplatzgebühren.

Wer mit Kindern reist, rechnet außerdem gegen eine andere Alternative: Vier Plätze in der Economy nebeneinander sind für eine Familie oft praktischer als vier verstreute Plätze in einer kleinen Premium-Kabine, und der Preisunterschied deckt eine ganze Reihe zusätzlicher Ausgaben am Zielort.

Und wenn die Kabine in Wahrheit die Economy-Variante mit mehr Abstand ist, zahlt man den Preis der echten Kabine für ein deutlich kleineres Produkt. Diese Prüfung vor der Buchung ist der wichtigste Einzelschritt des ganzen Themas.

Für wen sich die Kabine am ehesten rechnet#

Drei Gruppen ziehen den größten Nutzen, und sie unterscheiden sich weniger im Budget als in der Art ihrer Reisen.

Die erste sind Reisende auf Tagflügen. Zehn Stunden im Sitzen sind mit mehr Platz deutlich erträglicher, und der Hauptvorteil der Business Class, die Liegefläche, wird tagsüber ohnehin nicht genutzt. Für diese Gruppe ist Premium Economy das passende Produkt und kein Kompromiss.

Die zweite sind große Menschen. Der Gewinn an Beinfreiheit wirkt bei ihnen überproportional, weil der Economy-Abstand für sie nicht eng, sondern unbrauchbar ist. Die Grundlagen zu diesem Maß stehen in Sitzabstand.

Die dritte sind Reisende mit Gepäck. Wo die Kabine ein zusätzliches Stück enthält, deckt allein diese Position einen spürbaren Teil des Aufpreises, und die Rechnung wird auf einer Hin- und Rückreise doppelt gutgeschrieben.

Keine dieser Gruppen definiert sich über das Reisebudget. Darin liegt der Unterschied zur Business Class, die sich fast immer über das Budget entscheidet.

Solange der Zugewinn Platz heißt, hat Premium Economy das beste Verhältnis von Aufpreis zu Zugewinn aller drei Kabinen. Soll er Schlaf heißen, ist sie die schlechteste Wahl, denn dafür ist sie nicht gebaut. Zwei Prüfungen vor der Buchung entscheiden deshalb fast alles: Ist es eine eigene Kabine oder ein Economy-Sitz mit mehr Abstand, und ist der Flug ein Tag- oder ein Nachtflug? Beide Antworten stehen vor dem Kauf fest.

Die häufigsten Fehler#

  • Die Kabine als halbe Business Class verstehen. Premium Economy liefert Platz, aber keine Liegefläche und damit keinen Schlaf.
  • Lounge-Zugang erwarten. Bei den meisten Fluggesellschaften gehört er nicht dazu.
  • Ohne Sitzplan buchen. Erst der Sitzplan zeigt, ob es eine eigene Kabine ist oder ein Economy-Sitz mit mehr Abstand.
  • Auf einem Nachtflug darauf setzen. Für Schlaf taugt nur die Business Class, und ohne das Budget dafür bleibt die Economy die günstigere schlaflose Nacht.
  • Die Freigepäckmenge aus der Kabine ableiten. Maßgeblich ist der Tarif.
  • Den Aufpreis nur für eine Person rechnen. Bei zwei Reisenden verdoppelt er sich.

Verwandte Themen#

Häufige Fragen

Ist Premium Economy eine eigene Kabine?
Auf der Langstrecke meist ja, mit eigener Bestuhlung und eigenem Bereich. Auf Kurzstrecken gibt es sie in der Regel nicht.
Wie viel mehr Platz gibt es?
Üblich sind einige Zentimeter mehr Sitzabstand und etwas mehr Breite. Die Lehne neigt sich stärker, bleibt aber weit von einer Liegeposition entfernt.
Gehört Lounge-Zugang dazu?
Selten. Einzelne Fluggesellschaften gewähren ihn, die Mehrheit nicht. Statusinhaber kommen über ihren Status hinein, nicht über die Kabine.
Bekomme ich mehr Gepäck?
Meist ja, häufig ein zusätzliches Stück oder ein höheres Gewicht. Die Freimenge steht im Tarif und unterscheidet sich je Fluggesellschaft.
Zählt Premium Economy mehr für den Status?
In den meisten Programmen ja, aber deutlich weniger als Business Class. Maßgeblich ist der Buchstabe der Buchungsklasse.
Kann ich mit Punkten in die Premium Economy?
Ja. Der Wert je Punkt liegt dabei meist zwischen Economy und Business, und die Verfügbarkeit ist oft besser als vorne.
Ist ein Upgrade aus der Economy möglich?
Häufig ja, gegen Zahlung oder über ein Gebotsverfahren. Ob es sich lohnt, entscheidet der Aufpreis gegen den heutigen Barpreis der Kabine.
Was ist mit dem Essen?
Verbessert gegenüber der Economy, aber näher an ihr als an der Business Class. Häufig gibt es größere Portionen und eine kleine Getränkeauswahl.
Gibt es Premium Economy auf allen Langstrecken?
Nein. Sie hängt am Flugzeugtyp, und dieselbe Fluggesellschaft fliegt dieselbe Strecke mit und ohne diese Kabine.
Wie unterscheidet sie sich von Economy mit mehr Beinfreiheit?
Ein Economy-Sitz an der Notausgangsreihe hat mehr Beinfreiheit, aber dieselbe Breite, dieselbe Lehne und dieselbe Verpflegung.
Lohnt sie sich auf Tagflügen?
Häufiger als die Business Class, weil ihr Vorteil Platz ist und nicht Schlaf. Genau darin liegt ihr bester Anwendungsfall.
Wird sie überbucht wie die Economy?
Ja. Die Kabine ist klein, weshalb eine Rückstufung in die Economy häufiger vorkommt als eine Rückstufung aus der Business Class.

Quellen und Einordnung

Redaktioneller Hinweis Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und keine Steuer-, Rechts- oder Finanzberatung. Regeln und Produktbedingungen ändern sich. Prüfe vor einem Antrag immer die aktuelle Quelle.
Nächster Schritt

Welche Flüge stecken wirklich in Ihren Ausgaben?

Im freien Strategiegespräch rechnen wir Ihre Ausgaben auf Ihre tatsächlichen Strecken und Reisezeiten herunter. Erst einmal die Zahl sehen? Der Rechner zeigt sie in etwa 30 Sekunden.

30 Minuten · online · ohne Verpflichtung

Das klären wir im Gespräch

  • Welche Airline-Programme passen zu unseren Strecken?
  • Wie viele Flüge sind bei unseren Ausgaben realistisch?
  • Was kosten Steuern und Gebühren bei Prämienflügen?
RechnerStrategiegesprächWebinar