Kostet ein einfacher Prämienflug die Hälfte an Meilen?
Eine einfache Prämienstrecke kostet in Programmen mit fester Prämientabelle meist die Hälfte einer Hin- und Rückreise, weil die Tabelle je Richtung rechnet.
Auf einen Blick#
| Frage | Bartarif | Prämie aus fester Tabelle | Dynamische Prämie |
|---|---|---|---|
| Preisbasis | Hin und Rück als Paket | je Richtung | je Richtung, abgeleitet vom Barpreis |
| Einfache Strecke im Verhältnis zu Hin und Rück | oft deutlich mehr als die Hälfte | meist genau die Hälfte | folgt dem Barpreis der einfachen Strecke |
| Steuern und Zuschläge | im Ticketpreis enthalten | je Richtung getrennt | je Richtung getrennt |
| Rückflug verfällt bei ausgelassenem Hinflug | häufig ja | nein bei zwei getrennten Buchungen | nein bei zwei getrennten Buchungen |
| Programme je Richtung kombinierbar | entfällt | ja | ja |
| Kostenloser Zwischenstopp | nach Tarifregel | je nach Programm, teils nur bei Hin und Rück | selten |
Was ist eine einfache Prämienstrecke?#
Eine einfache Prämienstrecke ist ein Prämienticket für genau eine Richtung, also nur für den Hinflug oder nur für den Rückflug, bezahlt mit Meilen oder Punkten. Im englischen Sprachgebrauch heißt sie one-way award.
Die einfache Prämienstrecke ist nicht zu verwechseln mit einer offenen Strecke. Bei der offenen Strecke stehen Hin- und Rückflug in einer gemeinsamen Buchung und berühren verschiedene Punkte. Bei der einfachen Prämienstrecke gibt es in derselben Buchung überhaupt keinen zweiten Flug.
Ebenso wenig ist die einfache Prämienstrecke dasselbe wie ein einfacher Bartarif. Beide decken eine Richtung ab, aber sie folgen verschiedenen Preislogiken. Mit Meilen lässt sich jede Richtung als eigene Einheit behandeln, während der Bartarif die Reise meist als Ganzes sieht, und aus diesem Unterschied entsteht die Frage im Titel.
Wie die Preisbildung funktioniert#
Zwei Preissysteme treffen bei jeder Reise aufeinander. Der Bartarif entsteht in der Ertragssteuerung der Fluggesellschaft, der Prämienpreis in der Preisliste des Vielfliegerprogramms. Beide gehen mit der Richtung einer Reise völlig unterschiedlich um.
Warum Bartarife oft auf Hin und Rück kalkuliert sind#
Ein Bartarif ist ein Produkt mit Bedingungen. Die günstigen Stufen auf vielen Langstrecken werden nur als Hin- und Rückflug verkauft und verlangen etwa einen Mindestaufenthalt am Zielort oder eine Nacht von Samstag auf Sonntag. Mit solchen Bedingungen trennt die Fluggesellschaft Urlaubsreisende von Geschäftsreisenden, die kurzfristig und ohne festen Rückflug buchen und dafür mehr zahlen.
Eine einzelne Richtung fällt deshalb aus den günstigen Stufen heraus. Die einfache Strecke wird aus einem flexibleren Tarif gebildet, der allein fast so viel kostet wie das günstigste Paket aus Hin und Rück, in manchen Märkten sogar mehr. Welche Bedingungen gelten, steht in den Tarifbedingungen, und was in den Tarifbedingungen steht zeigt, wo die Regeln zu Mindestaufenthalt und Rückflug zu finden sind.
Auf vielen Kurzstrecken und bei Billigfliegern gilt diese Logik nicht. Dort wird jede Richtung einzeln bepreist, und die einfache Strecke kostet bar ungefähr die Hälfte einer Rundreise.
Warum Prämientabellen je Richtung rechnen#
Eine Prämientabelle ist eine veröffentlichte Preisliste des Programms. Sie nennt für jede Region, jede Kabine und oft jede Saison einen festen Meilenpreis, und in den meisten Tabellen gilt dieser Preis je Richtung. Hin und Rück kosten dann schlicht das Doppelte.
Eine Prämientabelle kennt keinen Mindestaufenthalt und keine Samstagsregel. Das Programm verkauft keinen Tarif, sondern einen Prämienplatz, und für einen Prämienplatz spielt es keine Rolle, ob ein Rückflug folgt. Eine Richtung kostet eine Richtung, also die Hälfte.
Auch Tabellen, die nach der geflogenen Entfernung staffeln, rechnen in aller Regel je Richtung. Wie diese Staffelung aufgebaut ist, steht unter wie eine streckenbasierte Prämientabelle rechnet.
Wo dynamische Prämienpreise den Vorteil schmälern#
Bei dynamischen Prämienpreisen gibt es keine feste Tabelle mehr. Der Meilenpreis richtet sich nach dem aktuellen Barpreis, und in vielen Programmen nach dem Barpreis derselben Richtung.
Ist die einfache Strecke bar teuer, wird bei einem dynamischen Programm auch die einfache Prämienstrecke teuer. Der Vorteil der Hälfte schrumpft oder verschwindet, weil das Programm die Preislogik des Bartarifs übernimmt. Wie eng die Kopplung ist, unterscheidet sich zwischen Programmen, und wie dynamische Prämienpreise entstehen zeigt die Mechanik im Detail.
Partnerflüge bepreisen viele dynamische Programme weiterhin über eine feste Tabelle. Auf derselben Strecke kann deshalb der eigene Flug dynamisch und der Partnerflug zum halben Tabellenpreis angeboten werden.
Wie Steuern und Zuschläge je Richtung anfallen#
Neben den Meilen fallen bei jeder Prämie Steuern, Gebühren und je nach Programm ein Kerosinzuschlag an. Diese Beträge werden je Richtung berechnet, und sie sind auf Hin- und Rückflug nicht zwingend gleich hoch.
Abflugsteuern hängen am Land des Abflugs. Ein Rückflug aus einem Land mit hoher Abflugsteuer kostet deshalb bei Flughafengebühren und Steuern mehr als der Hinflug, obwohl die Meilen identisch sind.
Beim Kerosinzuschlag gilt eine ähnliche Asymmetrie. Manche Programme erheben ihn auf Flügen bestimmter Partner, andere auf eigenen Flügen, einige gar nicht, und einzelne Länder begrenzen solche Zuschläge für Abflüge von dort. Die einfache Prämienstrecke macht diese Unterschiede sichtbar, weil jede Richtung einzeln bezahlt wird.
Wo die Hälfte nicht gilt#
Die Regel von der halben Prämie ist verbreitet, aber nicht allgemein. Fünf Fälle weichen ab, und keiner davon ist exotisch.
Programme, die nur Hin und Rück kennen#
Einige Vielfliegerprogramme bieten Prämien ausschließlich als Hin- und Rückflug an. Eine einfache Prämienstrecke ist dort gar nicht buchbar oder nur zum Preis der vollen Rundreise. Für eine einzelne Richtung bleibt dann der doppelte Meilenpreis oder die Suche in einem anderen Programm.
Programme dieser Art sind auf Rundreisen oft vergleichsweise günstig bepreist. Für Reisende mit festem Hin- und Rückflug ist die Einschränkung kein Nachteil, für Reisende mit offenen Plänen schon.
Programme mit Aufschlag auf die einfache Strecke#
Andere Programme verkaufen die einfache Prämienstrecke, verlangen dafür aber mehr als die Hälfte des Rundreisepreises. Die Preisliste nennt dann getrennte Werte für eine Richtung und für Hin und Rück, und die Summe zweier einfacher Strecken liegt über dem Preis einer Rundreise.
Der Aufschlag auf die einfache Strecke steht in der Preisliste, wird aber selten hervorgehoben. Zwei einfache Strecken, aus Bequemlichkeit gebucht, kosten in einem solchen Programm mehr Meilen als nötig.
Zwischenstopp nur bei Hin und Rück#
Manche Programme erlauben einen Zwischenstopp nur, wenn Hin- und Rückflug in einer Buchung stehen. Die einfache Prämienstrecke kostet dort zwar die Hälfte, verliert aber den kostenlosen Aufenthalt unterwegs.
Zwei einfache Strecken sind dann je Richtung günstig, aber insgesamt teurer als eine Rundreise mit Zwischenstopp, sofern der Aufenthalt ohnehin geplant war. Welche Regeln gelten, beschreibt Was ist ein Stopover und wie buche ich einen?.
Dynamische Programme auf teuren Strecken#
Ein Programm mit dynamischen Prämienpreisen übernimmt häufig die Richtungslogik des Bartarifs. Auf einer Strecke, auf der die einfache Strecke bar fast so viel kostet wie Hin und Rück, verlangt dann auch die einfache Prämienstrecke spürbar mehr als die Hälfte einer Rundreiseprämie. Der Unterschied zwischen Bar und Prämie, um den es im Titel geht, verschwindet in diesem Fall weitgehend.
Strecken, auf denen bar ohnehin je Richtung gerechnet wird#
Auf vielen Kurzstrecken und bei Billigfliegern kostet schon der Bartarif für eine Richtung etwa die Hälfte einer Rundreise. Die einfache Prämienstrecke hat auf solchen Strecken keinen Richtungsvorteil, weil kein Rundreisepaket existiert, gegen das sie günstiger wäre. Ob sich eine Prämie auf einer solchen Strecke lohnt, entscheidet allein der Wert je Meile und nicht die Richtung.
Rechenbeispiel: eine Richtung, zwei Preislogiken#
Angenommen wird eine Langstrecke mit den folgenden Werten. Alle Zahlen sind gedachte Einheiten für die Rechnung und keine echten Preise eines Programms oder einer Fluggesellschaft.
- Barpreis für Hin und Rück im günstigsten Tarif: 100 Geldeinheiten
- Barpreis für die einfache Strecke: 80 Geldeinheiten
- Prämienpreis aus einer festen Tabelle: 40 Punkte je Richtung
- Steuern und Zuschläge: 5 Geldeinheiten je Richtung
| Größe | Hin und Rück | Einfache Strecke |
|---|---|---|
| Barpreis | 100 Geldeinheiten | 80 Geldeinheiten |
| Punkte laut Tabelle | 80 Punkte | 40 Punkte |
| Steuern und Zuschläge | 10 Geldeinheiten | 5 Geldeinheiten |
| Von den Punkten ersetzter Barbetrag | 90 Geldeinheiten | 75 Geldeinheiten |
| Wert je Punkt | rund 1,1 Geldeinheiten | rund 1,9 Geldeinheiten |
Bei Hin und Rück ersetzen 80 Punkte einen Barbetrag von 90 Geldeinheiten. Bei der einfachen Strecke ersetzen 40 Punkte einen Barbetrag von 75 Geldeinheiten. Derselbe Punkt ist auf der einfachen Strecke in diesem Beispiel also rund 1,7-mal so viel wert.
An der Prämie liegt das nicht, sie kostet in beiden Fällen die Hälfte je Richtung. Den Unterschied macht der Barpreis. Die einfache Strecke ist bar überproportional teuer, und diesen Aufpreis ersetzt die Prämie. Die Rechnung für den Wert je Punkt folgt derselben Methode wie in was Punkte wirklich wert sind.
Kehrt man die Annahme um, kippt das Ergebnis. Kostet die einfache Strecke bar nur 50 Geldeinheiten, ersetzen 40 Punkte nur noch 45 Geldeinheiten, und der Wert je Punkt liegt bei rund 1,1 Geldeinheiten, genau wie bei Hin und Rück.
Verlangt ein dynamisches Programm für die bar teure einfache Strecke 64 Punkte statt 40, sinkt der Wert je Punkt auf rund 1,2 Geldeinheiten. Die Hälfte des Rundreisepreises ist dann keine Hälfte mehr, und der Vorteil der einfachen Prämienstrecke ist zum größten Teil aufgezehrt.
Was zwei einfache Strecken möglich machen#
Die halbe Prämie ist nicht der einzige Vorteil. Jede Richtung einzeln zu buchen, eröffnet Freiheiten, die eine Rundreise nicht bietet.
Zwei Programme für eine Reise. Der Hinflug kann aus einem Programm stammen, der Rückflug aus einem anderen. In jeder Richtung lässt sich so die Verfügbarkeit und der Meilenpreis nutzen, der gerade am günstigsten ist.
Prämie hin, bar zurück. Wo der Barpreis in einer Richtung niedrig ist, wird nur die teure Richtung mit Meilen bezahlt. Die Punkte landen dort, wo sie den höchsten Barbetrag ersetzen.
Offene Routen ohne Routenregel. Zwei einfache Prämienstrecken ergeben zusammen eine offene Strecke, auch in Programmen, die eine offene Strecke innerhalb einer Buchung nicht erlauben.
Anreise zum günstigeren Abflugort. Hat ein anderer Flughafen bessere Verfügbarkeit oder geringere Zuschläge, wird der Zubringer dorthin getrennt gebucht. Das Vorgehen beschreibt was ein Positionierungsflug ist.
Kein Verfall der zweiten Richtung. Bei vielen Bartarifen verfällt der Rückflug, wenn der Hinflug nicht angetreten wird. Zwei getrennte Prämienbuchungen sind voneinander unabhängig, und eine ausgelassene Richtung berührt die andere nicht.
Die Freiheit hat einen Preis. Zwei Buchungen bedeuten zwei Vorgänge bei jeder Änderung und im Zweifel zwei Gebühren, wie Prämienticket umbuchen erklärt. Bei zwei Buchungen mit knappem Anschluss liegt außerdem das Risiko eines verpassten Anschlusses beim Reisenden, weil keine der beiden Buchungen von der anderen weiß.
Wann sich die einfache Prämienstrecke nicht lohnt#
In diesen Fällen lohnt sich die einfache Prämienstrecke nicht:
- Wenn das Programm nur Hin und Rück kennt oder die einfache Strecke mit Aufschlag bepreist. Dann ist die Rundreise im selben Programm günstiger.
- Wenn ein kostenloser Zwischenstopp nur bei Hin und Rück gilt und geplant war. Zwei einfache Strecken kosten den Aufenthalt dann extra.
- Wenn der Barpreis ohnehin je Richtung gerechnet wird. Auf vielen Kurzstrecken gibt es keinen Richtungsvorteil, den die Prämie ausgleichen könnte.
- Wenn Steuern und Zuschläge einer Richtung einen großen Teil des Barpreises ausmachen. Die Punkte ersetzen dann kaum etwas, und bar zu zahlen ist die klarere Rechnung.
- Wenn ein dynamisches Programm die teure einfache Strecke nachbildet. Der Wert je Punkt liegt dann nicht höher als bei einer Rundreise.
- Bei einer Reise, die sich vermutlich als Ganzes verschiebt. Zwei Buchungen bedeuten dann doppelte Arbeit und in Programmen mit Gebühr je Buchung auch doppelte Kosten.
Umgekehrt lohnt sich die einfache Prämienstrecke besonders dort, wo der Barpreis der einen Richtung überproportional hoch ist: auf Langstrecken mit Rundreisetarifen, bei kurzfristigen Buchungen ohne festes Rückflugdatum und bei Reisen, deren Rückweg noch offen ist.
Wie sich die Frage vor der Buchung klären lässt#
Drei Prüfungen reichen, zusammen dauern sie wenige Minuten.
Erstens die Preisliste des Programms. Sie zeigt, ob ein Preis je Richtung gilt oder nur einer für Hin und Rück, und ob die einfache Strecke mehr als die Hälfte kostet.
Zweitens der Barpreis der einfachen Strecke im Vergleich zum günstigsten Paket aus Hin und Rück. Liegt die einfache Strecke nahe am Rundreisepreis, ist die Prämie für genau diese Richtung besonders wertvoll.
Drittens die Steuern und Zuschläge je Richtung. Die Prämienbuchung zeigt sie vor dem Abschluss an, und ein Vergleich beider Richtungen zeigt, welche Richtung mit Meilen teurer wird als erwartet.
Nebeneinander zeigen die drei Werte, ob die Hälfte im konkreten Fall auch die Hälfte ist. Danach lassen sich Punkte und Bargeld wie bei jeder anderen Einlösung vergleichen.
Die häufigsten Fehler#
- Die halbe Prämie für eine allgemeine Regel halten. Ob je Richtung gerechnet wird, steht in der Preisliste des Programms.
- Den Rundreisepreis bar mit der einfachen Prämie vergleichen. Die Prämie ersetzt den Barpreis der einfachen Strecke, und nur der taugt als Maßstab.
- Steuern und Zuschläge je Richtung übersehen. Abflugsteuern und Zuschläge unterscheiden sich zwischen Hin- und Rückflug, beide Richtungen gehören einzeln angesehen.
- Zwei einfache Strecken buchen, obwohl ein Zwischenstopp geplant war. Manche Programme erlauben den Aufenthalt nur bei Hin und Rück in einer Buchung.
- Zwei Buchungen mit knappem Anschluss verbinden. Jede Buchung steht für sich allein, also braucht der Umstieg genug Puffer.
- Bei dynamischen Programmen die Hälfte erwarten. Erst der Vergleich des Meilenpreises der einfachen Strecke mit dem Rundreisepreis zeigt, ob davon noch etwas übrig ist.
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Das klären wir im Gespräch
- Welche Airline-Programme passen zu unseren Strecken?
- Wie viele Flüge sind bei unseren Ausgaben realistisch?
- Was kosten Steuern und Gebühren bei Prämienflügen?

